Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen

Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens

51

dieser Spezialgeräte befaßt: Amsler-Laffon in Schaffhausen, A. Ott in Kemp­ten (Allgäu) und Otto A. Ganser in Wien.

Der im Jahre 1847 zu Nesselwang im Allgäu geborene Albert Ott hatte nach dem Besuch der Kemptener Gewerbeschule, nach einem Hochschuljahr in Mün­chen und nach mehrjähriger Tätigkeit hei bekannten mechanisch-optischen In­stituten besonders hei Starke und Kämmerer in Wien und schließlich, angeregt durch die Wiener Weltausstellung 1873, in Kempten eine feinmechanische Werkstätte gegründet, in der er Pantographen, Planimeter, später auch Theo­doliten und Nivelliere haute. 1881 kam Ott mit Harlacher in persönliche Fühlung und erwarb das Ausführungsrecht für dessen elektrischen Flügel. Damit war der Grundstein gelegt zum heutigen Arbeitsgebiet der Firma. Im Jahre 1885 wurde die Herstellung selbstregistrierender Pegel aufgenonnnen. Nach mancherlei Schwierigkeiten und Rückschlägen gewann das Unternehmen besonders unter der Leitung der beiden Söhne des Gründers A. Ott und I)r.-Ing. Ludwig Ott allmählich eine führende Stellung im Bau von Wassermeßgeräten, die auch der erste Weltkrieg zwar vorübergehend zu beeinträchtigen, nicht jedoch zu er­schüttern vermochte.

Es wurde schon erwähnt, daß Harlacher seine Konstruktionsideen durch das Schweizer Unternehmen Amsler-Laffon in Schaffhausen ausführen ließ. Dem genialen Dr. Amsler verdankt die Wissenschaft verschiedene mathematisch­mechanische Geräte, z. B. die Erfindung des Planimeters. Seine berühmte fein­mechanische Anstalt, die dann besonders den Bau von Festigkeits-, Prüf- und Zerreißmaschinen pflegte, behielt aber bis zum heutigen Tage auch die Erzeugung hydrometrischer Geräte in ihrem Arbeitsprogramm.

In Österreich sind die ersten Flügel von Starke & Kämmerer sowie von der heute als Telegraphenbauanstalt sehr bekannten Firma Czeija & Nissl in Wien erzeugt worden; beide Firmen haben diesen Produktionszweig jedoch schon lange aufgegeben. Im Jahre 1900 hat dann der hochbegabte Feinmechaniker Otto A. Ganser in seiner Anstalt in Wien in enger Zusammenarbeit mit dem Hydro­graphischen Zentralbüro den Bau von Flügeln und hydrometrischen Geräten auf­genommen. Ähnlich wie A. Ott war auch Ganser von der Optik und Geodäsie zur Hydrometrie gekommen. Als Mechaniker der Universitätssternwarte in Wien hatte er sich durch seine astronomischen Fernrohre, ferner durch den Bau von geodätischen Instrumenten aller Art einen verdienten Ruf erworben. Die Zu­sammenarbeit mit der staatlichen Hydrographie zeitigte dann wertvolle Früchte in einer Reihe gut durchkonstruierter Meßflügel, von denen besonders die torpedo- förmigen Hochwasserflügel erwähnt seien. Durch ihre Stromlinienform und ihr Gewicht gewährleisteten sie einen geringen Abtrieb und eigneten sich so im Verein mit ihrer außerordentlich kräftigen Bauart gerade für die schnellfließen­den Alpengewässer. Sie wurden mittels einer kräftigen, kranartigen Seilwinde mit Tiefenzeiger ins Wasser gelassen (Bild 10). Die dauerhafte und dabei mechanisch sehr exakte Ausführung verschaffte den Erzeugnissen Otto A. Gan­sers einen wohlverdienten Ruf. Sein Meisterwerk schuf er wohl mit einer damals einzigartigen elektrischen Wasserstandsfernmeldeeinrichtung, die zum Zwecke der Hochwasservorhersage von einer großen Zahl oberösterreichischer und nieder-