Aufsatz 
Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen / von Otto Lanser
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Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen

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Berechnung des neuen Längenprofils auszugehen und flußaufwärts fortzuschreiten haben. Die Musterstrecke aber soll oberhalb der Baustrecke an jener Stelle liegen, ,,bis zu der sich der Einfluß der Korrektion gerade noch bemerkbar macht oder wo er zum mindesten nur mehr geringe Änderungen verursacht.

Die Tatsache, daß die Flüsse im Haushalt der Natur auch als Transportbänder zur Abfuhr gewaltiger Massen von Feststoffen dienen, ist für alle wasserbautechni­schen Maßnahmen und Eingriffe von größter Bedeutung. Man hat daher, wie die vorausgegangenen Ausführungen zeigten, schon vor Jahrzehnten versucht, diesen Vorgängen messend und rechnend näher zu kommen und Theorien aufgestellt, die es ermöglichen sollten, die Wirkung technischer Eingriffe auf den Geschiebe­haushalt vorher zu berechnen. Man ging dabei zunächst so vor, daß man auf Grund rein spekulativer Erwägungen Formeln auf stellte und dann durch Messungen in der Natur jene Koeffizienten und Beiwerte zu ermitteln suchte, die in den Formeln vorkamen. Die Zulässigkeit solcher a priori getroffener Annahmen wurde durch den Versuch aber vielfach nicht bestätigt. DieFestwerte, die man gemessen zu haben glaubte, waren daher vielfach nur fiktive Größen und entbehrten eines physikalischen Sinnes, so daß sie untereinander unvergleichbar und für die technische Auswertung unverwendbar blieben. Erst allmählich entwickelte man aus den Ver­suchen selbst die Methode; man lernte die großen meßtechnischen Fehlerquellen zu erkennen, die die Ergebnisse weitgehend gefälscht hatten, sowie jene methodischen und grundsätzlichen Schwierigkeiten einigermaßen zu meistern, die die Ursache dafür sind, daß eine Theorie der Geschiebeführung nicht deduktiv auf Annahmen und Spekulation, sondern nur induktiv auf der Beobachtung und dem Versuch auf gebaut werden kann.

Österreich hatte lange Zeit auf dem Gebiete.der Geschiebeforschung eine führende Stellung inne. Möge der Bau großer Flußkraftwerke, der ohne Beherrschung des Geschiebeproblems unerwünschte, ja gefährliche Auswirkungen bringen könnte, bei uns wieder den Anlaß zu neuen, erfolgreichen Forschungen bieten, zu denen dank des Zusammenwirkens der beteiligten Stellen an der Enns und am Inn schon ein erfreulicher Auftakt gegeben wurde.

Schrifttum.

Abkürzungen: W. W. , . . Die Wasserwirtschaft, Wien.

W. K. W. W. . . . Wasserkraft und Wasserwirtschaft, München.

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S. B. Z. ... Schweizerische Bauzeitung.

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S. Kurzmann, Beobachtungen über die Geschiebeführung, München 1919.

F. Schaffernak, Neue Grundlagen für die Berechnung der Geschiebeführung in Flußläufen, Wien 1922.

A. Schoklitsch, Geschiebebewegung in Flüssen und an Stauwerken, Wien 1926.

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