Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin
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Österreich und Ungarn gegraben, der Untersuchung über die diesfällige Bau- t'ührung durch die Abgeordneten der n.-ö. Herrenstände und die Deputation des ödenburger Komitates am 21. Oktober 1806 gepflogen, hierüber eine Mappe ausgefertigt und über die gemeinschaftliche Erhaltungspflicht eine Vergleichs-Urkunde errichtet“ wurde. (Ein Überrest dieses Kegulierungswerkes dürfte der bei Katzelsdorf beginnende Kleine Kehrbach sein, der noch heute einige kleine* Wasserwerke betreibt und sodann als Speisegraben in den Wr.-Neustädter Kanal einmündet.)
Solche Teilregulierungen konnten Überschwemmungen nicht bannen, und so sehen wir auch hier die Leitha im Jahre 1813 wieder aus ihren Ufern treten und die Umgebung bis nach Wr. Neustadt in einen ungeheuren See verwandeln. Die Nachrichten von Überschwemmungen setzen sich bis in unsere Tage fort, denn es ist ja seither, wie schon erwähnt, nicht viel geschehen, eine wirksame einheitliche Hochwasserregulierung ist Dis heute noch immer nicht durchgeführt worden. So ist anfangs Juli 1926 der Damm am rechten Ufer der Leitha in der Nähe von Katzelsdorf durchrissen und die Futterernte einer weiten Strecke vernichtet worden — um nur ein Beispiel anzuführen. Besonders notleidend sind aber die Anrainer des Unterlaufs, die Gemeinden Gattendorf, Zurndorf, Deutsch- .lahrndorf und Nickelsdorf. Hier tritt die Leitha in eine weite, fruchtbare Niederung und macht gleichzeitig eine beträchtliche Gefällsverminderung durch. Die natürliche Folge dieser Gefällsverminderung ist eine erhöhte Geschiebeablagerung, Versandung und Verschlemmung des Flußbettes und eine Verringerung des Abflußvermögens. Zu diesem an sich ungünstigen Umstande kommt noch ein zweiter: die Einmündung der bei Gattendorf abgezweigten Kleinen Leitha, die in ihrer Endstrecke auch ein größeres Gefälle aufweist als die Leitha, also ebenfalls einen Gefällsbruch erleidet und daher gleichfalls bei verminderter Durchflußgeschwindigkeit ihr Geschiebe in der gefährdeten Flußstrecke absetzt.
Unter solchen Umständen ist es erklärlich, daß die Leitha an der Einmündung ihres Armes häufig aus den Ufern tritt. Zu Zeiten der ungarischen Verwaltung ist zwar als Entlastungsgerinne der Komitatskanal erbaut worden. Diese Maßnahme hat sich aber ebenso als unzureichend erwiesen wie frühere und spätere Teilregulierungen der Leitha.
Fast regelmäßig treten in der Leitha im Mai Hochwässer auf, die sich zwischen 50 und 100 m 3 /s bewegen und mehrere Tage, mitunter wochenlang, an- halten. Das Abflußvermögen der Leitha beträgt aber bei Nickelsdorf, einschließlich des Komitatskanals, höchstens 70m 3 /s. 2 Die über dieses Maß reichenden Wassermengen treten über die Ufer. Der Rückstau reicht flußaufwärts bis Gattendorf und nordwärts bis Deutsch-Jahrndorf. Häufig gibt es auch im September größere Hochwässer, dazwischen mitunter auch im Juli, so daß in manchen Jahren das große Gebiet Gattendorf—Zurndorf den ganzen Sommer über aus den Überschwemmungen nicht herauskommt.
2 Zur Zeit wird noch an einer Teilregulierung der Leitha bei Gattendorf, Zurndorf,
Xikoisdorf gearbeitet. In diese Teilregulierung ist auch der Komitatskanal einbezogen, und es soll mit Einbeziehung dieses Kanals ein Hochwasserdurchfluß von 95 m 3 /s ermöglicht werden.