Aufsatz 
Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek
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Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek

Storek, aus Begeisterung für Kaplans Idee, seinen Vater veranlaßt hätte, einen Großteil der Einrichtung für das Laboratorium zu spenden, der aus rein wissen­schaftlichem Interesse der Anregung seines Sohnes nachkam. 1910 war das Labo­ratorium fertig und Kaplan konnte, unterstützt von Edwin Storek, mit dem Frage und Antwortspiel der Natur wie er seine Versuche nannte, beginnen. Seine Versuchsturbine ließ sich schnellstens und mit geringen Mitteln immer wieder neuen Verhältnissen anpassen. In seinen späteren Angaben schätzt Kaplan die reine Versuchszeit auf fünf Jahre und ist der Meinung, daß die Ab­wicklung der Versuche in seinem Laboratorium JOmal so schnell vor sich ging, als dies bei den damals bekannten anderen Turbinenlaboratorien der Fall gewesen wäre. Es war also nur durch die erstmalige Verwendung eines Kleinstlabora- toriums überhaupt möglich geworden, die zahl- und umfangreichen Versuche, die Kaplan bis zur Formgebung seiner neuen Turbine benötigte, für einen Mann zum Abschluß zu bringen.

Wie aber arbeitete Kaplan? Von seiner Lehrtätigkeit nicht wenig in An­spruch genommen, widmete er seine ganze übrige Zeit ausschließlich seinen Ver­suchen, so daß er sich und die LTnwelt vergaß. Es kam nicht nur einmal vor, daß er im nassen und verschmutzten Laboratoriumskittel, auf dem Kopf aber einen eleganten Hut, nach Hause stürmte, wo seine junge Frau Margarete mit dem x-mal auf gewärmten Essen geduldig wartete. Ja, Kaplans Hingabe an seine Arbeit ging soweit, daß er eines Tages sogar das Weihnachtsfest vergaß, das seine junge Frau mit den beiden Kindern allein verbringen mußte.

Überall, wo sein Auge auf bewegtes Wasser traf, machte Kaplan seine Be­obachtungen, nicht zuletzt auch in der Badewanne, wie seine Frau in ehrlicher Verzweiflung berichtete. Ihr großes Verständnis, ihr ausgleichendes Wesen und vor'allem ihr unerschütterlicher Glaube an die Sache ihres Mannes, besonders in späterer kritischer Zeit, war wohl mit eine Grundlage des endlichen Erfolges. Rastlose und zielstrebige Tätigkeit brachten Kaplans Arbeiten weit voran, er konnte eine Reihe grundlegender und neuer Konstruktionen zum Patent an­melden. Hatte er bisher mit größter Zähigkeit um die Erkenntnisse selbst ge­rungen, so mußte er nun um deren Anerkennung kämpfen. Dabei wäre zu er­wähnen, daß die Beziehungen zum Hause Storek in den letzten Jahren zu einer schönen Freundschaft gediehen waren. Die Erzeugung der Firma Storek lag jedoch damals in einer anderen Sparte, so daß sich Kaplan wegen Ausnützung seiner Patente an altrenommierte Turbinenfabriken wandte. Doch mit keiner dieser Firmen konnte er zu einem Vertrag kommen, ja ein Teil von ihnen be­teiligte sich sogar sehr lebhaft an den nun aufflammenden Patentstreitigkeiten, die sich aus den zahlreichen Einsprüchen entwickelt hatten, gegen Kaplan. Es war der Kampf eines Mannes, einer Idee gegen fast die ganze übrige Fachwelt.

An die Zeit denk i net gern ..., so hat sich Kaplan selbst in späteren Jahren geäußert. Alles schien damals aussichtslos. Ins Uferlose wuchsen die Wider­wärtigkeiten und die Einwände der Zweifler und Besserwisser. Es mußte etwas geschehen, um die Fachwelt zu überzeugen, an die Stelle der Streitigkeiten auf dem Papier mußte die Tat treten. Wieder wandte sich Kaplan an seinen alten Gönner Heinrich Storek, der unter Einfluß seines Sohnes Edwin sich ent-