Aufsatz 
Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek
Entstehung
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Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek.

Mit 11 Abbildungen.

1 >ie Kaplanturbine, deren Verwendungsbereich Gefälle bis zu 40 m und Wasser­mengen, angefangen von der größten herunter bis zu 3001/sec umfaßt, ist heute der meistgebaute Wassermotor, der imstande ist, veränderliche Gefälle und wech­selnde Wassermengen mit überragender Wirtschaftlichkeit auszunützen. Prof. Viktor Kaplan, der geniale Erfinder dieser nach ihm benannten Turbine, stellt uns in seiner Schrift:Wie die Kaplanturbine entstand... eine ausführliche historische Beschreibung seines Lebenswerkes vor Augen. Er erwähnt darin die FirmaIgnaz Storek, Brünn, die seine Arbeiten entscheidend gefördert hatte.

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm infolge der ansteigenden Elektrifizierung der Bau von Kraftwerken, vor allem Wasserkraftanlagen, immer größeren Um­fang an. Dabei traten die Mängel der bekannten Franzisturbinen sehr wesentlich hervor. Die kleinen Drehzahlen dieser Maschinen standen im Gegensatz zur For­derung nach hohen Drehzahlen der Generatoren. Es war also die Ausnützung von großen Wassermengen bei kleinen Nutzfallhöhen praktisch ausgeschlossen oder nur durch die Aufteilung in viele kleine Aggregate möglich, was zu sehr teuren Bauweisen führte.

Viktor Kaplan, am 27. November 1876 als Sohn eines höheren Bahnbeamten in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren, veröffentlichte in den Jahren 1905 bis 1909 mehrere Arbeiten über die Berechnung von neuartigen Franzisturbinen- Schnelläufern. Kaplan war damals als Konstrukteur an der Deutschen Techni­schen Hochschule in Brünn tätig. Er hatte sein Diplom an der Technischen Hochschule in Wien erworben und arbeitete nachher eine Zeit lang als Ingenieur bei der Leobersdorfer Maschinenfabrik auf dem Gebiet der Verbrennungsmotoren. Dann führte ihn sein AVeg an die Briinner Technik. Dort ging Kaplans Streben vor allem danach, seine Ideen in einem Laboratorium überprüfen zu lassen,denn so pflegte er zu zitieren... , grau, teurer Freund, ist alle Theorie.... Zunächst hatte er versucht, mit Papierrädchen, die er in den warmen Luftstrom einer Petroleumlampe brachte, Erkenntnisse zu gewinnen. (Siehe die heutige Methode der Untersuchung von Turbinen mit bewegter Luft.) Später jedoch genügte ihm dieses Verfahren nicht mehr und er entwarf ein hydraulisches Laboratorium mit einer Turbine von nur 100 nun Laufraddurchmesser bei 1 m Nutzfallhöhe. Mit Hin­gabe und Hartnäckigkeit machte er sich an die Verwirklichung seiner neu­artigen Ideen, die er wohl kaum hätte in die Tat umsetzen können, wenn nicht sein damaliger Hörer, Edwin Storek, der Sohn des Industriellen Heinrich