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Eduard Merlicek : Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin
schwemmungsgefahr gebannt. Doch wird dem See dadurch im Verein mit der großen Verdunstung zu viel Wasser entzogen. Soll die Regulierung eine vollkommene sein, also auch ein gewisses Mindestmaß an Wasserstand sichern, dann ist es notwendig, daß auch der Zufluß des Sees geregelt wird. Ein Hauptzufluß des Neusiedler Sees besteht in dem W ulk ab a che. Da dieser Zufluß in trockenen Zeiten völlig unzureichend ist, müßte er mit einer großen Speicheranlage versehen werden, in die auch fallweise Überschüsse und Hochwässer aus der benachbarten Leitha einzuleiten wären. Auf solche Weise wäre der Wasserstand des Neusiedler Sees zu heben und dessen Austrocknung zu verhüten. Auch an den beiden Quellflüssen der Leitha, an der Schwarza und an der Pitten, sollten Hochwasserspeicher angelegt werden.
Für die Rentabilität dieses Regulierungsplanes spricht eine gleichzeitig zu erzielende große Wasserkraft, die Entlastung der Leitha von Hochwässern, also die Verhütung großer Überschwemmungen an diesem Flußlaufe, die Wiederaufrichtung des Sport- und Radewesens am Neusiedler See, verbunden mit regem Fremdenverkehr u. a. m. Ganz besonders ist aber hervorzuheben, daß durch die Verhütung der Seeaustrocknung die Fischzucht, der Weinbau und alle sonstigen Zweige der Landwirtschaft vor dem zeitweiligen Verfalle gerettet und ständig belebt würden.
In dieser Art wäre an der Leitha und am Neusiedler See ein Ausgleich der Wassermassen zu erzielen, der den überlieferten Grundsätzen entsprechen würde. Zugleich könnten aber die in Bewegung kommenden Wassermassen mit Verwendung der neuesten technischen Mittel zur Erzeugung elektrischer Energie herangezogen werden. Die Verwirklichung des geplanten Unternehmens würde im Wohlstände und in der Steuerkraft der Bevölkerung reichen Ix)hn finden.