Aufsatz 
Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Storek
Entstehung
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Entstehung und Werdegang der Kaplanturbine bei der Firma Htorek

baues im Hause Storek nicht ohne Rückschlag bleiben würde... In einem leer­stehenden Schacht der Wasserkraftanlage Podebrad an der Elbe installierte Storek eine Versuchsturbine mit 1800 111 m Laufraddurchmesser, an Hand welcher die Gültigkeit des Vergrößerungsgesetzes bewiesen werden konnte.

Beim Bau weiterer Turbinen für höhere Gefälle stellten sich jedoch trotz gewissenhaftester Vorbereitung im neu errichteten hydraulischen Fabriklabora­torium Storeks Mißerfolge ein. Vor allem dann, wenn die Nutzfallhöhen jene des Laboratoriums wesentlich überstiegen. Kaplan hatte die Grenze für die Ver­wendbarkeit seiner Turbinen mit 40 m Nutzfallhöhe angegeben, Storek war also ohne Bedenken an die Ausnützung von größeren Nutzfallhöhen als diese im Laboratorium vorhanden waren, herangegangen. Kaplan strebte auch Schnell- läufigkeit bis zu ns 2000, allerdings erfolglos an. Doch schon bei Nutzfallhöhen von über 6 m bei schnellaufenden Kaplanturbinen traten explosionsartige Ge­räusche und Erschütterungen auf, die in krassen Fällen einen Betrieb überhaupt unmöglich machten. Eine Katastrophenmeldung nach der andern traf bei Storek ein:

Algersdorf in Böhmen! ! ! ! statt 800 PS nur 200 PS.

Isertal! ! ! statt 400 PS nur 150 PS.

Görz (Italien) statt 1100 PS nur 500 PS! ! ! !

Und überall die heftigsten Geräusche und Erschütterungen, die mit der Be­lastung Zunahmen, ebenso wie der Luftgehalt des Wassers am Turbinenaustritt. Versuchte man wenigstens mit kleiner Last die Turbine in Betrieb zu halten, wie z. B. in Algersdorf, so zeigten sich nach nur einer Woche Laufzeit an dem 20 mm starken Gußkrümmer Löcher, durch die man die Fäuste durchstecken konnte und auch die Laufräder wiesen starke Anfressungen auf, obzwar von Sand keine Spur und das Wasser chemisch neutral war.

Niemand wußte Rat, auch Kaplan war verzweifelt, und Storek mußte einen erheblichen Teil seines Vermögens aufwenden, um die seinen Kunden gegenüber eingegangenen Garantien einzulösen.

Gerade um diese Zeit wurde auch Kaplan von der vollen Wucht seiner Patent­kämpfe getroffen und es schien, als ob sich alles gegen ihn und seine wenigen aber entschlossenen Anhänger verschworen hätte und alle bisherigen Opfer um­sonst gewesen wären. Unermüdlich kämpfte Kaplan, von seinen Assistenten Slawik und Walther sowie finanziell durch Storek bestens unterstützt, gegen seine zahlreichen Widersacher. Am Ende seiner Kraft errang er schließlich in letzter Instanz des deutschen Patentgerichtshofes den vollen Sieg. Diesen un­geheuren seelischen Anspannungen wäre Kaplan niemals gewachsen gewesen, hätte er nicht an seiner Gattin eine so verständnisvolle Helferin und Kameradin gefunden, die ihn nicht nur in vorbildlicher Weise betreute, sondern auch durch ihren unerschütterlichen Glauben an sein Werk immer wieder aufrichtete.

Indessen war jedoch die Wendung zum Guten bereits eingetreten. Der Storek- Ingenieur Gustav Oplustil, ehemaliger U-Boot-Kommandant der österr. Kriegs­marine, hatte festgestellt, daß die Anfressungen an den Kaplanturbinen genau das gleiche Bild ergaben, wie solche an den Propellern der Zerstörer. Von diesen letzteren war bekannt, daß ihre Ursache in den sogenannten Kavitationen (Hohl-