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Viktor Schützenhofer.
die Baugenehmigung erteilte, die zudem zweifellos nur durch die damals in Österreich, besonders aber in Wien herrschenden revolutionären Verhältnisse und die Notwendigkeit einer möglichst ausgiebigen Arbeitsbeschaffung beschleunigt wurde. Daß der Minister für öffentliche Arbeiten gerade dem verhältnismäßig rangjungen Negrelli die Leitung der — auch mit dem Semmeringbahnbau befaßten — Sektion für den Staatseisenbahnbau anvertraute, geschah gewiß bewußt. Negrelli, der der großen Allgemeinheit meist allein als der Verfasser des zur Ausführung gelangten Suezkanalprojektes bekannt ist, hatte nicht nur schon große Verdienste um den Eisenbahnbau in Österreich, sondern auch in anderen 1 .ändern erworben und war mehrfach von ausländischen ltegierungen als Berater
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Photo: Technisches Museum, Wien.
Bild 2. Viadukt „Kalte Kinne“ der Semmeringbahn im Bau.
auf diesem Gebiete herangezogen worden. 1 Schon 1842 hatte er die Denkschrift „Die Eisenbahnen mit Anwendung der gewöhnlichen Dampfwägen (gemeint sind Lokomotiven) als bewegende Kraft über Anhöhen und Wasserscheiden, sind möglich“ verfaßt und gab im gleichen Jahr die Druckschrift „Gebirgs- eisenbahnen“ heraus. 2 Darin behandelte er die im Ausland für den Betrieb derartiger Eisenbahnen vielfach in Verwendung stehender Hilfsmittel, wie standfeste Dampfmaschinen, Pferdezug und dergleichen, verwarf aber diese auf das entschiedenste und trat für den reinen Adhäsionsbetrieb, wenn auch noch unter Anwendung von Spitzkehren ein.
Den vorapprobierten Antrag auf Genehmigung des Semmeringbahnbaues legte Negrelli kurz nach dessen Einreichung und nach einer zwischenzeitig vorgenommenen Trassenbereisung seinem Minister vor.
1 Viktor Schützenhofer, „Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk“, Blätter für Technikgeschichte, Heft 11, in Kommission Springer-Verlag, Wien 1949.
* L. Negrelli, „Über Gebirgseisenbahnen“, in Commission der Friedrich Beckschen Universitätsbuchhandlung, Wien 1842.