Hundert Jahre Semmeringbahn
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Der tatsächliche Baubeginn erfolgte im August 1848 mit der Herstellung der Strecke Gloggnitz-Payerbach. Die daraufhin in Tageszeitungen und Fachzeitschriften sowie von Fachorganisationen vielfach leidenschaftlich geführte Opposition gegen die Ausführung des genehmigten Gesamtprojektes und Befürwortung eines Seilbahnbetriebes in den eigentlichen Bergstrecken, konnte die Regierung nicht unberücksichtigt lassen. Der mit dem Einspruch, unter dem Vorsitz des Kaisers am 1. März 1849 abgehaltene Ministerrat pflichtete der unerschütterlichen Ansicht Ghegas und der ihm übergeordneten Generaldirektion der Staatseisen-
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Photo: Technisches Museum, Wien.
Bild 3. Krausel-Viadukt der Semmeringbahn im Bau.
bahnen bei und beschloß die Fortsetzung des Semmeringbahnbaues nach dem bereits genehmigten Bauplan.
An der Spitze der fachlichen Gegner des Ghegaschen Semmeringbahnprojektes, also der alleinigen Anwendung des reinen Adhäsionsprinzips bei demselben, stand der österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein. Die Tageszeitungen schlossen sich dessen Stellungnahme an und konnten das, bei einer Ausführung des Ghegaschen Projektes zu erwartende Debakel nicht düster genug schildern. Als die Tatsachen aber die Richtigkeit der Ghegaschen Annahmen bewiesen hatten, zögerte der österreichische Ingenieur- und Architektenverein nicht, in loyalster Weise Ghegas Wissen, Weitblick und Welterfolg zu würdigen und späterhin sein Andenken hochzuhalten.
An dieser Stelle sei auch des Ansturms gegen den Bau von Eisenbahnen überhaupt in ihrer Frühzeit, also in den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, gedacht und daran erinnert, daß nicht nur durch die Eisenbahn bedrohte Interessenten, wie Fuhr- werker, sondern auch bedeutende Staatsmänner, wieder große Politiker Thomas Adolphe