Präzisions-Zeitmessung in der Vor-HUYGENSschen Periode.
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unter rechtem Winkel zusammengesetzt waren.“ Soweit ist heute der Kreuzschlag in Vergessenheit geraten, daß es im ganzen horologischen Schrifttum der letzten 300 Jahre keinen anderen Hinweis zur Aufklärung der von Hevelius gemachten Bemerkung über die zu ihrer Zeit so wichtige Neuerung gab.
Zusammenfassung.
Die uns heute bekannten Uhren Burgis sind Zeugen für eine ganz einmalige Kombination von Wissenschaftler, praktischem Uhrmacher und Künstler in Burgis Person. Seine wissenschaftlich kritische Leistung zeigt sich, abgesehen von den andernorts beschriebenen mathematischen und geometrischen Leistungen, in der bewußten und höchst vollkommenen Ausnützung aller Möglichkeiten, welche den zu seiner Zeit üblichen aperiodischen Gangsystemen mechanischer Uhren innewohnten. Beim Verfolgen der Einzelheiten der durch die Pos. 1, 3, 4, 7 und 9 festgelegten Entwicklungsreihe (Tabelle 1) wird es ganz klar, wie Burgi systematisch die Einflüsse von Umkehrpunktlage der Wag, Variation des Antriebsmomentes, Symmetrie der beiden Bewegungshälften der Wag, Größe des Freilauf winkeis und der Umkehrschnelligkeit erfaßt hat und wie er sich bemüht hat, dieselben im Sinne bester Ganggenauigkeit zu beeinflussen.
Das handwerkliche Können ersieht man nur zum Teil aus den Photographien. Erst eine persönliche Betrachtung kann die richtige Vorstellung der wirklichen Höhe desselben vermitteln. Burgis Werkmannsarbeit steht doch selbst über den allerbesten anderen Leistungen anderer Spitzenuhrmacher, an denen die Spätrenaissance keineswegs arm war.
Wir haben ihm auf dem Gebiete der Zeitmeßkunst folgende Forschritte zuzusprechen :
a) Den Sekundenschlag bei aperiodischen Gangsystemen;
b) die Geschwindigkeitsregulierung von aperiodischen Uhren durch Veränderung des Eingriffswinkels mit Hilfe einer fein einstellbaren Verlagerung der Spindellager;
c) die genaue Regulierung der Amplitudenwerte der Wag durch mikrometer- artige Einrichtungen mit Zeigern und Hilfszifferblättern;
d) die symmetrische Begrenzung der Wag-Ausschläge bei verschiedenen Reglerstellungen;
e) den Antriebsmomenten-Ausgleich für Federuhren mit Hilfe von Gewichtsund Federremontoirs;
f) den Kreuzschlaggang mit seiner besseren Ausnützung der Antriebsenergie und verbesserten Reguliermöglichkeiten;
g) die Einführung der Sekundenweisung durch ein eigenes Sekundenblatt;
h) die Einführung des ebenen Steigrades an Stelle des Kronrades.
Für diese Ideen und ihre hervorragende konstruktive Verwirklichung gebührt Jost Burgi Platz unter den ersten Uhrmachern aller Zeiten. Die hervorragende künstlerische Bedeutung Burgis schließlich wird in einem im Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums, Band 51, erscheinenden Aufsatz ausführlich gewürdigt.