Aufsatz 
Zur ältesten Geschichte des Bernsteins / von Heinrich Quiring
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Zur ältesten Geschichte des Bernsteins.

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artig, daß kaum ein Zweifel daran bestehen kann, daß Tutanchamon ein Sohn des Echnaton war, worauf Carter mehrfach hingewiesen hat. Da Tutanchamon kein Sohn der Königin Nofretete war, da diese nur Töchter hatte Tutanch- amon heiratete die Kronprinzessin Meritaton, seine Stiefschwester so war er offenbar der Sohn einer Nebenfrau. Daß diese keine beliebige war, geht daraus hervor, daß nach den erhaltenen Statuetten schon der 12jiihrige Tutanchamon den Pharaonenhelm und der 16jährige die rote Krone von Unterägypten (Abb. 4) trug. Wenn wir nun den Mitannidolch und die zahlreichen Bernsteingegenstände beachten, so ergibt sich als wahrscheinlichste Lösung, daß Tutanchamon ein Sohn des Echnaton und der Tatuhepa, also ein Enkel Amenophis III. und des

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Bild 5. Bernsteinschnitzerei von Ancona. 4. Jhdt. v. Clir. Sammlung Morgan.

Mitannikönigs Tusratta war. Falls Tatuhepa ihren mit 19 Jahren gestorbenen Sohn überlebt hat, wird wohl sie sich dafür eingesetzt haben, daß ihm der Dolch ihres Vaters und Schmuck aus pontischem Bernstein ins Grab mitgegeben wurden.

So hat das Grab des Tutanchamon nicht nur die Ägyptologie, sondern auch die Geschichte der Mineralogie, der Technik und des Handelsverkehrs im 2. Jahr­tausend v. Chr. bereichert. Daß anderseits die Herkunft des Grabinventars die Familienverhältnisse im ägyptischen Königshause zu klären vermochte, ist ein mehr zufälliges, aber nicht unwichtiges Ergebnis mineralogischer und etymologi­scher Erwägungen.

In den im Anfänge des 12. Jahrhunderts v. Chr. angelegten und von H. Schlie- mann ausgegrabenen Schachtgräbern von Mykene haben sich ebenfalls Bernstein­schmuckstücke gefunden. Auch Gräber in der Innenstadt von Babylon enthielten Bernsteinperlen bis zu 1,9 cm Durchmesser. Da am Ende der Bronzezeit (um 1200 v. Chr.) auch in Mitteleuropa nördlich der Alpen die in der Kupferzeit noch ganz sporadischen Bernsteinfunde häufiger werden, kann im 13. und 12. Jahr­hundert v. Chr., als die Phönizier, wie bis 1375 v. Chr. die Kreter und vor 1180 die Achäer, ihre Fahrten in den Atlantik aufnahmen, auch Nord- und Ostsee­bernstein bis ans Mittelmeer gelangt sein.