Johannes Mathesius und der Bergbau.
Zur 450. Wiederkehr seines Geburtstages.
Von
Dipl.-Ing. Dr. mont. Franz Kirnbauer, Wien-Mödling.
Mit 14 Abbildungen.
Am 24. Juni 1954 jährte sich zum 450. Male die Wiederkehr des Geburtstages von Johannes Mathesius, des „Pfarrherrn des Bergbaus“ und Verfassers zahlreicher bergmännischer Predigten (Bild 2). Da er durch 32 Jahre, von 1532 bis 1540 und von 1541 bis zu seinem Tode im Jahre 1565, in der böhmischen Bergstadt Joachimsthal lebte, so ist seine Beziehung auch zum alten österreichischen Bergbau gegeben. Es erscheint somit berechtigt, dieses Mannes und seines Wirkens als Techniker und „Prediger-Ingenieur“ zu gedenken, zumal seine Bedeutung als Verfasser der „Sarepta oder Bergpostill“, die im Jahre 1562 erschien, weit über Österreich und Deutschland hinausreicht.
Joachimsthal, die alte Bergstadt 1 , war im Jahre 1516 nach den ersten Silbererzfunden durch die Tatkraft und den Unternehmungsgeist der Grafen Schlick gegründet worden (Bild 4). Infolge reicher Ausbeute des Silbererzbergbaus fand ein so rasches Aufblühen statt, daß der Ort im Jahre 1520 bereits über 8000 Bergleute zählte. Seit 1520 hatten die Grafen Schlick auch das Münzrecht. Die dort geprägten Geldstücke trugen das böhmische Löwenwappen dieses gräflichen Geschlechts und hießen bald „Joachimsthaler“ oder „Löwenthaler“ (Bild 3). In der abgekürzten Form „Thaler“ fand diese Münzbezeichnung dann in ganz Deutschland und Österreich, später auch in Nordamerika, im Nahen Osten und in Afrika Verbreitung (Maria-Theresien-Thaler in der Levante und gegenwärtig auch in Abessinien). Aus dem „Joachimsthaler“ entstand das Wort „Dollar“, die gegenwärtige Währungseinheit der USA. und Chinas, die somit zum alten österreichischen Bergbau in Beziehung steht. Der erstaunlichen Entwicklung des Bergbaus zu Joachimsthal folgte übrigens ein schon zu Lebzeiten Johannes Mathesius’ einsetzender und später schneller verlaufender Verfall, der hauptsächlich durch die Erschöpfung der reichen Silbererzgänge in den oberen Anreicherungszonen bedingt war. Die Ausbeute wurde mit zunehmender Teufe immer geringer. In neuerer Zeit wurde Joachimsthal bekanntlich dadurch wieder
1 H. Lorenz: Bilder aus Alt-Joachimsthal. Umrisse einer Kulturgeschichte einer erzgebirgischen Bergmannsstadt im sechzehnten Jahrhundert. Joachimsthal 1925.