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Franz Kirnbauer.
weltberühmt, daß man dort die Uranerze für die Gewinnung des Radiums entdeckte und den Uranerzbergbau intensiv gestaltete.
In Joachimsthal lebten etwa eineinhalb Jahre gemeinsam zwei Männer, die für die Geschichte des Bergbaus von größter Bedeutung sind, nämlich 1532 bis 1533 Agricola und Mathesius. Georg Agricola (Bild 1), 12 Jahre lang Werksarzt in .Toachimsthal, wurde im Jahre 1533 dann nach Chemnitz berufen, wo er
Photo: Technisches Museum, Wien.
Bild l. Georg Agricola (1494—1555).
auf Grund der in der Bergstadt gewonnenen und gesammelten Erkenntnisse sein berühmtes Bergbuch „De re metallica libri XII“ oder „Zwölf Bücher vom Bergwesen“ verfaßte, dessen Erscheinen im Jahre 1556 er aber nicht mehr erlebte. Johannes Mathesius dagegen verblieb von 1532, abgesehen von der in Wittenberg verbrachten Zeit, bis an sein Lebensende in Joachimsthal und steht mit dem Bergbau durch Abfassung zahlreicher bergmännischer Predigten in Beziehung, die ein ungemein lebendiges Bild der damaligen Zeit sowie der bergbaulichen Einrichtungen und Lebensgewohnheiten der Joachimsthaler Bergleute vermitteln. Mathesius war der erste, der technische Dinge, vor allem die bergbauliche Arbeitsweise, mit Dingen des religiösen Lebens in gedankliche Verbindung brachte und so viele Worte und Redensarten bergmännischen Inhalts aus der Mitte des 16. Jahrhunderts der Gegenwart erhielt. „Wort“ und „Werkzeug" wurden in Mathesius’ Predigten, deren er jährlich ein bis zwei für die Bergleute von Joachimsthal verfaßte, zu einer unnachahmlich reinen Symbiose und Symbolik verschmolzen 2 .
2 H. Weinreich: Wort und Werkzeug in den Predigten des Johann Matthesius. Deutsches Museum — Abhandlungen und Berichte 4 (1932), H. 2, S. 31.