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Franz Kirnbauer.
Die Bergleute sind und waren von altersher ein etwas leichtsinniges Völkchen, zumal wenn sie reiche Ausbeute erzielten, verpraßten sie ihr Geld und wurden übermütig. „Sie schlemmen und demmen / bis sie das gewonnen gütlein durchbringen“, sagt Mathesius. Und insbesondere sprachen sie schon damals gern einem guten Trunk zu, denn, „sie hatten gut und gelts werd (Wert) genug und daneben ihr hofierer und jubilierer und wurden vor iren hemmern / Öfen und treibherden außgederret“. Sie trieben es bald zu bunt und durch ihr ausschweifendes Leben verschuldeten gerade die ältesten Bergleute in der Menschheitsgeschichte, wie Mathesius meint, zum großen Teil das Strafgericht der Sintflut. Nach der Sintflut, so erklärt er, ist die Fortsetzung des Bergbaus vor allem die Erbschaft der Nachkommen Japhets gewesen. Die Predigten schildern dann weiter, wie die bergmännische Kunst ihre Verbreitung vom Morgenlande nach Griechenland, Mazedonien, in das Römmerreich und von dort auch nach Ungarn, Siebenbürgen, Schlesien, Böhmen, Steiermark und Kärnten, ins Fichtelgebirge, nach Salzburg, ins Inntal, nach Spanien, Frankreich, Lothringen, in den Oberharz, ins Mansfeldische usw. fand. Alles das ist geschickt und eindringlich der Verkündigung des göttlichen Wortes auf der Kanzel eingeflochten.
Neben der Schilderung der bergbaulichen Tätigkeit und der Arbeit des Hütten man nes finden sich in den Predigten der „Sarepta“ auch noch etymologische und kulturgeschichtliche Betrachtungen. Oft wird versucht, die Namen von Mineralen oder bergmännische Ausdrücke zu erklären. Auch die Lebenshaltung und Arbeit des Bergmannes werden oft beschrieben, gegen Verschwendung vorgegangen und für Sparsamkeit gesprochen, so daß Mathesius in diesem Sinn ein richtiger Volkserzieher w T ar. Gezähe, Abbauverfahren, Maschinen, Markscheiderinstrumente werden oft geschildert und in seine Rede kunstvoll einbezogen. Es ist dies die 12. Predigt der „Sarepta“, die, wie erwähnt, die Überschrift trägt „Vom schlegel und eysen / bergkzaw und arbeyt / Magneten und Markscheyden / Wasserkünsten und Wetterfüren“.
Als bergmännische Tätigkeiten werden hier genannt: schürfen, reschen, Stollen, schechten, strecken, hornstetten. Bis auf die Ausdrücke reschen und hornstetten leben diese Worte in der heutigen Bergmannsprache — zum Teil allerdings nicht mehr als Tätigkeitsworte, sondern als Hauptworte — weiter. „Reschen“ heißt „Röschen ziehen“, also Wasserabzuggräben herstellen, um das Gelände oder den Berg trocken zu machen, und „hornstetten“ bedeutet so viel wie „Haspelziehen“ (Hornstatt ist der Haspelraum, noch im 18. Jahrhundert und später im Salzbergbau des Salzkammergutes auch gebräuchlich). Auch die bergmännischen Gewinnungsarbeiten werden, wie erwähnt, genau beschrieben und aufgezählt, über das Feuersetzen spricht Mathesius wie folgt: „Wo die genge fest und knawig seyn / daß kein stahel darauff hafften wil / muß man setzen / und ein fewer vors ort machen / wie Hanibal das gepirge in Hispanien mit fewer und essig.“ Ebenso finden die Einrichtungen zur Erz- und Wasserförderung, also Göpel (Roßkunst) und Tretrad seine liebende Bewunderung. „So ist der Gepel auch eine schöne kunst / da man mit rossen / berg und wasser zutag austreibet / und in einer Schicht mehr* herausfördern kann / als an zweientzig haspeln.“ Und über die Wasserhaltung heißt es: „Wo man aber stöln nicht einbringen kan / da haben wasser-