Johannes Mathesius und der Bergbau.
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künste iren preiss / wenn man wasser mit kannen hebet an der scheiben / oder mit einem rade / welches die leute tretten oder dan man mit wasser und winden die wasser über sich bringet“ über den Kompaß sagt Mathesius: „Aber ein compast ist auch Wunders und lobenswert / dient zur edlen kunst des mar- scheidens.“
Den Sinn technischer Erfindungen und technischer Maschinen hat Johannes Mathesius übrigens klar erkannt, denn er sagt darüber: „Vil hende machen leichte werck, sagt man, aber feine köpffe machen auch leichte werck, und ersparen vil unkost.“ Höchst überraschend ist eine kurze Bemerkung, die sich gegen Schluß der 12. Predigt findet. Da ist nämlich von nichts geringerem die Rede als von einer Feuermaschine, welche dem Emporheben des Grubenwassers dienen soll.
Auch das Schürfen wird von Mathesius ziemlich eingehend besprochen, ebenso beschreibt er Bergmannskrankheiten oder die Gefahren, die der Gesundheit des Menschen in den Hüttenwerken drohen. „So frisst Kobelt und kisswasser den heuern hende und füsse, und der Staub und Rauch vom kobelt sterbet vil Bergk- leut und erztscheider, wie der Hütt- und Bleyrauch vil schmeltzer und abtreyber verlehmet und umbbringet.“ Zum besseren Verständnis dieser Stelle sei noch erwähnt, daß damals bei den Bergleuten alles „Kobelt“ hieß, was beim Schmelzen kein Metall ergab, nach Schwefel und Arsenik roch und andere Metalle spröde machte. Auch die Rechtsverhältnisse im Bergbau werden mehrfach herangezogen. Mit großer Sachkenntnis und eindringender Liebe beschäftigt sich Mathesius verschiedentlich mit den Bestimmungen der sogenannten Bergordnung. Seiner Sendung gemäß, die immer in leicht faßlicher und handgreiflicher Weise dem einfachen Manne das Religiös-Begriffliche an der anschaulichen Welt des Werktags erklären will, stellt er hier sozusagen einer irdischen Bergordnung eine himmlische oder christliche Bergordnung gegenüber.
So lauten z. B. einige Gebote dieser christlichen Bergordnung, wie folgt: „Ir Bergleut solt glauben, das Gott lesst ertze wachsen, denn wenn Gottes geschicklein zum gange feilt, so bricht und besteht kein ertz.“ Und das letzte dieser Gebote schärft den Bergleuten folgendes ein: „Keiner bring sein nechsten um sein Recht und Kux, mit geschwinden griffen und bösen pracktiken, denn untrew trifft seinen eygenen herrn.“
Selbst die damals in Joachimsthal gültige Bergordnung ist in einer der Predigten der Sarepta enthalten. Auch von der Heilkraft der Metalle, verbunden mit Wahrem und mit manchem Aberglauben, ist die Rede. Von der herzstärkenden Kraft des Goldes heißt es z. B.: „Zum Christenthumb oder sterckung des glau- bens, kan goldt kein krafft geben, ob es wol zur ertztney des leibes dient und das hertz stercket und erfrewet im natürlichen leben, wie hievon gelerte und erfarne ertzte zu urteilen wissen.“
Die Entstehung der Erze wird auch mehrfach besprochen. Diesen Überlegungen gegenüber wußte sich Mathesius, der „Pfarrer im Thal“, der Anteilnahme der Bergleute sicher. Es waren die folgenden Fragen: Woher kommen die Metalle? Wie hat man sich ihre Entstehung zu denken? Wie steht es mit ihrer