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Franz Kirnbauer,
Veränderung und ihrer Umwandlung? Wachsen die Erze, d. h. nehmen sie zu? Können die Erze auch wieder vergehen?
Die Antworten, die er auf diese Fragen zu geben weiß, entnimmt er teils den Schriften der Alten, teils dem alchimistisch-astrologischen Vorstellungskreise seiner Zeit. Aber daneben zieht er zur Begründung auch immer wieder die alltägliche Erfahrung und Beobachtung heran. So entsteht denn bei ihm eine Gesamtansicht, die neben überwiegend mystischen Zügen doch auch schon die Anfänge echter Wissenschaftlichkeit erkennen läßt. Kurz zusammengefaßt, ist Mathesius’ Lehre von den Metallen folgende: Aus ursprünglich vorhandenen Dünsten entstanden und entstehen immerfort von neuem Quecksilber- und Schwefeldämpfe, und aus diesen gehen dann allmählich die Metalle hervor. Die so entstehenden Metallerze reichern sich nun dauernd an, und die Metalle verwandeln sich fortgesetzt in edlere Arten. Dieser fortwährende Umwandlungsprozeß endet schließlich einmal mit einem Wieder vergehen der Metalle bzw. der Erze.
Daß bei dem Werden der Metalle die Wirkung der Planeten eine Rolle spielt, darin gibt Mathesius auf der Kanzel den alten Bergleuten recht. Ebenso aber ist er überzeugt, daß sich darin nur wiederum die Weisheit und Allmacht des Schöpfers bekundet. „Weyl aber die alten die siben haupt metal den siben Planeten und irrenden Sternen zuschreyben, und hieltens dafür, das ein jeder Planet durch seine Krafft und Wirckung ein Metal zu verwalten hette, wie den die Alchimisten ein jedes metal mit eines Planeten Namen nennen.“
Und an anderer Stelle ist zu lesen: Summa, Gott hat an Krafft seines Wortes, metalsamen in die tiefen Abgründe der erden geworfen, darauss er natürlicher- weyse, durch der Sonne, Monden und ander Stern und Element krafft, ein ertz nach dem anderen wachsen lesset.“
Auch geologische Fragen werden, insbesondere bei der Predigt über das Kupfer, an Hand des Mansfelder Kupferschiefers behandelt, ebenso das Auftreten warmer Heilquellen, die dafür bestimmt seien, kranken Bergleuten wieder Genesung zu verschaffen. Ein Mineral, auf das Mathesius in seinen Kanzelreden immer wieder zurückkommt, ist übrigens der Bernstein, von ihm „Agtstein“ bezeichnet. Mit Agstein oder Agtstein nannte man damals seit Agricolas und Mathesius Zeiten in buntem Wechsel bald eine Art naphthaähnliches Erdpech oder Bergpech oder auch eine Art Pechkohle (Cannelkohle) und bald den Bernstein. Sogar unbegreifliche Verwechslungen mit dem Magneten kommen wegen der elektrischen Anziehungskraft des geriebenen Bernsteins vor. Die 5. Predigt ist zur Hälfte dem Silber, zur Hälfte dem Bernstein gewidmet. Dort ist immer vom „hornstein“ oder „goldfarbenen Agstein“ die Rede.
Auch eine Bernsteinindustrie hat es damals gegeben, wie aus der nachfolgenden Anspielung hervorgeht: „Denn wir haben nit alleine vom Paternoster steinen hi zu reden, da man vorzeyten das Gebet anzellt, oder geschnittenen Jakobsbilder, so man aus Hispanischen schwärzten oder Preussischen Gelben agstein machet.“
Auch die Kunst der Glaserzeugung, Salzgewinnung, Metalh erarbeitung, die Papierherstellung, die Kunst des Schreibens und die Erfindung des Buchdrucks werden von Mathesius behandelt.