Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
Seite
68
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Alte Eisenindustrie im Lavanttal

Von

Dr. Karl Dinklage.

Mit 16 Abbildungen.

An nutzbaren Erzschätzen birgt Kärntens Boden vor allem Eisen und Blei. Nördlich der Drau verläuft von Kremsbrücke gegen Osten über Friesach und Hüttenberg ins obere Lavanttal ein Zug von Gneis und Glimmerschiefer, der langgestreckte Urkalklager enthält, in welche mächtige Eisenerzlagerstätten eingebettet sind; Blei- und Zinkvorkommen zeichnen hingegen den parallel ver­laufenden Triaszug südlich der Drau aus. Unter den Eisenerzen ragen die des Hüttenberger Erzberges durch besondere Mächtigkeit und Gutartigkeit sowie starken Eisengehalt vor allen anderen hervor 1 . Da dies schon den Alten bekannt war, hat man hier auch Bodenzeugnisse für Eisenbergbau in vorgeschichtlicher und römischer Zeit gefunden 2 .

Weniger mächtig und reichhaltig sind die Eisenerzlager des oberen Lavant- tales, wo zu Loben bei St. Leonhard vorwiegend Spateisenstein in Gängen auf- tritt, während an der Wölch bei Wolfsberg reichliche Brauneisensteinlinsen an Klüfte gebunden erscheinen und zu Waldenstein und Theißenegg Eisenglanz im Kontakt von Kalk und Glimmerschiefer gefunden wird 3 . Doch reicht auch in diesem Gebiet die Eisenindustrie mindestens bis ins Frühmittelalter zurück und der Gegend von St. Leonhard entstammt die älteste urkundliche Nachricht vom Kärntner Eisenwesen. Hier tauschte Erzbischof Odalbert von Salzburg am 27. Juni 931 4 von Graf Albrich, dem Neffen Herzog Arnulfs von Bayern, einen Windofen zum Eisenerzschmelzen (flatum ferri, quod aruzi dicitur) und ein Abbaurecht auf Eisenstein gegen Hingabe einer Salzgewinnungsstelle bei Ad­mont ein.

1 W. Hofbauer: Bergwerksgeographie des Kaisertums Österreich, 1888, S. 26.

2 F. Seeland: Beiträge zur Geschichte des Hüttenberger Erzberges. Österr. Zeitschr. f. Berg- und Hüttenwesen, 1885, S. 312ff.; derselbe: Eine alte Grubenlampe vom Hüttenberger Erzberg. Ebenda, 1890, S. 244; F. Miltner: Lampen im Klagen­furter Landesmuseum. Jahreshefte d. Österr. Arch. Inst., XXVI, 1930, Beibl., S. 99, Nr. 110; W. Schmid: Norisches Eisen, 1932, S. 11 ff.

3 V. Paschinger: Landeskunde von Kärnten und Osttirol, 1948/49, S. 67.

4 A. v. Jaksch: Monumenta historica ducatus Carinthiae, III, 1904, Nr. 94.