Karl Dinklage : Alte Eisenindustrie im Lavanttal.
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Solche Windöfen (Bild 1), die an gebirgigen, heftigen Winden stark ausgesetzten Stellen erbaut wurden, waren Schachtöfen von etwa 1,90 bis 2,20 m Höhe und 1,60 bis 1,90 m Breite, die aus Steinen aufgebaut waren und lehmverkleidete Innenwände besaßen. Am Boden befand sich eine Grube, der Sumpf, zum Ansammeln des Eisens; in einer Seitenwand diente ein Schürloch, das während des Schmelzprozesses mit Lehm verschmiert wurde, zum Aufbrechen des Schmelzgutes und zum Ausnehmen der Eisenluppe. Für die nötige Luftzufuhr
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Bild 1. Kärntner Windofen. Bild 2. Stuckofen um 1700.
(Nach MÜnichsdorfer.) (Aus „Stahl und Eisen“, 1929, S. 490.)
waren ein oder mehrere Kanäle angebracht, in die Düsen eingesetzt wurden, um durch Verengung des Windloches den Luftzug zu regeln. Der Wind wurde dadurch aufgefangen, daß der Eingang jedes Luftkanals trichterförmig erweitert war. Wenn der natürliche Wind stark war, fachte er das Feuer an; sonst mußte man in die Düsen Blasbälge einsetzen, um so den Verbrennungsprozeß zu beschleunigen. Aus einer solchen Nachhilfe entwickelte sich der Übergang vom bloßen Zugofen zu dem mit einem Blasbalg betriebenen Windofen 5 .
Die Bälge wurden von Hand oder durch tierische Kraft betrieben. An derartige Schmelzstätten auf den Höhen des oberen Lavanttales hatte man noch im 16. Jahrhundert eine Erinnerung. In einem Bericht vom 16. Oktober 1545 weist der Besitzer des Waldensteiner Eisenbergwerks Hans Ungnad Freiherr von Sonnegg auf dieselben hin und zeigt, daß sie zu seiner Zeit bereits verschollen
5 W. Schmid: A. a. O., S. 17f.