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Karl Dinklage.
waren. Deswegen erwähnt er auch nur am Rande „die alten hamersteet und plawerch, die an vil orten auf dem geburg daselbst vor menschen gedenkhen durch die furderung der menschenhendt und der phärt gearbait und gebraucht sein worden, wie dan an vil orten und nun schier unmuglich zu glauben, aber doch an den noch vorhandnen sichtigen sinterheufen ze sehen ist“ 6 . In derartigen Sinter-, das heißt Schlackenhalden, hat man noch in unserer Zeit in der Hüttenberger Gegend Reste solcher alter Windöfen auf gefunden 7 .
Das Verfahren in diesen Öfen schildert der 1874 verstorbene Hüttenberger Oberbergverwalter Friedrich Münichsdorfer, dem reiches, heute zum Teil nicht mehr erhaltenes archivalisches Quellenmaterial vorlag, folgendermaßen: „In die angewärmten Windöfen wurde Kohle gegichtet, Feuer angefacht, Erze darauf geworfen, abermals Brennstoffe und Erze aufgegeben, das halb gefrittete Produkt unter erneuter Kohlengichtung mehrmals an die Oberfläche gebracht, Schlacken abgelassen und dies solange fortgesetzt, bis das wenige aus den Erzen geschmolzene Eisen, etwa 2 bis 3 Zentner, sich am Boden des Ofens in einem teigartigen Klumpen sammelte, den man nach Herausschaffung durch die Bodenöffnung von den anhaftenden Schlacken reinigte und in den Handel brachte. Eine Schmelzung dürfte 10 bis 12 Stunden gedauert haben. Nach dem Aussehen der Schlacken hat man aus den besten Hüttenberger Erzen kaum 20 bis 25°/o Eisen ausgebracht“ 8 .
Im 13. Jahrhundert, einer Zeit allgemeinen Auftriebs der gewerblichen Wirtschaft, begann man in Kärnten und Steiermark die Wasserkraft für den Antrieb der Blasbälge bei den Eisenschmelzöfen nutzbar zu machen. Die dadurch bewirkte stärkere Luftzufuhr gestattete die Erzeugung größerer Eisenmaße 9 . Nach dem „Stuck“ oder „Maß“, das in diesen moderneren Öfen erzeugt wurde, nannte man dieselben Stucköfen (Bild 2). Diese hatten nach Münichsdorfer auf der Vorderseite (Brustseite) unmittelbar vom Boden herauf eine Öffnung von 2 Fuß (63,2 cm) im Quadrat, die beim Betrieb mit einem Lehmkuchen verschmiert war. Diese Öffnung diente zum Herausschaffen das Schmelzgutes; auch wurde daselbst der Wind eingeblasen. Man bohrte mit einem Holzkeil in den Lehm ein Loch und setzte die Düsen der Blasbälge an, welch letztere auf Rollen beweglich waren, um sie leicht wegnehmen zu können. In der der Brustseite gegenüberliegenden Seite war ein Spalt von 63,2 cm Höhe und 10,4 bis 15,6 cm Breite angebracht und mit Lehm verschmiert; er diente zum Ablassen der Schlacke. Die innere Ofenwand war mit Lehm ausgeschmiert oder aus feuerfesten Steinen hergestellt. Die Öfen wurden angewärmt, sodann mit Kohle gefüllt, das Blasrohr der Spitzbälge ganz am Boden des Ofens durch die oben beschriebene Öffnung in dem mit Lehm verschmierten Raume der Brustseite angesetzt, an der Gicht fortwährend Lagen von Erzen und Kohlen aufgegeben und solange ge-
6 Hofkammerarchiv Wien: Innerösterreichische Miszellen, Fasz. 149, F. 370'.
7 W. Schmid : A. a. O., S. 20ff.
8 F. Münichsdorfer: Geschichtliche Entwicklung der Roheisenproduktion in Kärnten, 1873, S. 8.
9 H. Pirchegger: Das steirische Eisenwesen bis 1564 mit einem Überblick über das Kärntner Eisen wesen, 1937, S. 14.