Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen

72

Karl Dinklage.

gen erfahren wir, daß Otto am Rindermarkt zu Wolfsberg zwei Bälge, d. h. zwei durch Wasserkraft mit Gebläsewind versehene Stucköfen in der sogenannten oberen Hütte im Waldensteiner Graben besaß. Diese Urkunde ist ein deutliches Beispiel, daß um jene Zeit, Mitte des 14. Jahrhunderts, der Wasserradantrieb für die Blasbälge der Rennherde und Stucköfen gang und gäbe war, ein durch ein Wasser­rad in Tätigkeit versetzter Hammer aber erst von Wülfing Ungnad in Walden­stein an Stelle eines alten Sägewerks errichtet worden war.

Das Zer rennen und Weiterverschmieden von Eisenstucken wurde aber nicht nur in unmittelbarer Nähe der Eisenerzlagerstätten wie hier im Waldensteiner Graben vorgenommen, sondern die Stucke oder Maße wurden zur Weiterverar­beitung auch auf größere Entfernungen verfrachtet. So kommt es, daß wir im 14. Jahrhundert auch von einem Herd zum Eisenzerrennen an der unteren Uavant bei Mühldorf hören, den Erzbischof Ortolf von Salzburg am 27. April 1346 von Gutta, Witwe Rudolfs von Vansdorf, und ihren Söhnen Heinrich und Pur­chart um 70 Florentiner Gulden zunächst pfandweise erwarb, in dem Vertrag aber bereits die Bedingungen für einen späteren vollständigen Übergang dieses Werkes an Salzburg vorsah 14 . Solche Trennung von Eisenschmelz- und Weiter­verarbeitungsstätten diente einer rationelleren Verwertung der zur Verfügung stehenden Holzkohlenvorräte, die durch die Stucköfen in der Nähe der Eisenberg­werke schon weitgehend aufgezehrt wurden, so daß für die Rennherde dann zu wenig übrigblieb.

Im frühen 15. Jahrhundert hatte Heinrich Püchsenmaister einen Hammer zu Waldenstein im Graben unter dem Schloß. Sein Verleger, d. h. Geldgeber, war der Wolfsberger Bürger Peter Wernher, der ihm am 21. Juli 1417 80 Pfund guter Wiener Pfennige gab, wofür er Anspruch auf die Produktion des Hammers an geschlagenem Eisen für die nächsten zwei Jahre erhielt und zur Sicherheit den Hammer verpfändet bekam 15 . Im Fraßgraben bei St. Gertraud errichtete anfangs der dreißiger Jahre des 15. Jahrhunderts Bertl Hammersmid auf einer öde, wo ehemals eine Mühle gestanden war, einen Eisenhammer und ließ sich damit am 2. Juni 1432 von Bischof Anton von Bamberg belehnen 16 . Das Hochstift Bamberg war bereits seit einer Schenkung Kaiser Heinrichs II. vom Jahre 1007 Besitzer großer Teile des Uavanttales. Noch in einer Urkunde vom 22. April 1467 findet des Berthel in der Frays Hammer Erwähnung. Am 6. Oktober 1480 wurde dann Christoph Ungnad Herr von Sonnegg mit demHammer in der Frayß, den etwann der Bertl daselbst neu aufgebaut hat, von Bischof Philipp von Bamberg belehnt 17 . Aus einem Bericht der Wolfsberger Stadtverwaltung vom 14. April 1545 geht hervor, daß damals Hans Ungnad den Fraßgrabenhammer öd liegen ließ; doch war er beim Ankauf der Herrschaft Waldenstein durch den Bischof von Bamberg 1638 wieder in Betrieb 18 . Die alte Hammerschmiede hat sich beim Fraß­wirt bis heute erhalten. Nur wird der Hammer seit Errichtung des Fraßgraben-

14 Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, 9, 1864, 8. 37, Nr. 877; Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Salzburger Kammerbücher, 2.

15 Landesarchiv Klagenfurt: Urkunde v. 21. 7. 1417.

16 Staatsarchiv Bamberg: Standbuch 2901.

17 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Österr. Akten, Kärnten, Fasz. 19, F. 138.