Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
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Alte Eisenindustrie im Lavanttal.

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kraftwerkes im Jahre 1922 nicht mehr durch Wasserkraft, sondern mit elektrischer Energie betrieben. Eine Beschreibung der bambergischen Besitzungen in Kärnten von 1437 erwähnt außerdem bei St. Leonhard zwei Eisenhämmer, die je 3 Schilling zinsten 19 .

Eine ganze Reihe Nachrichten zeugen von einer Intensivierung des bam­bergischen Eisenbergbaues im oberen Lavanttal um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Dabei waren wieder Unternehmergesellschaften am Werke. Zu ihnen zählten die obersten Beamten des Bischofs von Bamberg wie reiche Bürger, die sowohl als Verleger die Geldbevorschussung des Bergbaues betrieben als auch den Ver­trieb des Eisens übernahmen und daran verdienten. So erhielten am 9. März 1448 der bambergische Viztum zu Wolfsberg Ulrich Truchsess, der Hauptmann Ritter Veit von Rotenhan, der Reichenfelser Pfleger Matheis Harrer sowie Wilhelm Schreltz, der als Unternehmer bekannte St.-Veiter Bürger Niklas Gleissenmulner und Linhart Merer gleiche Anteile an zwei Fundgruben Eisenerz am Schober in der Herrschaft Reichenfels, Jorst Kariup nur einen Anteil an der zweiten Grube. Am 11. Jänner 1448 verlieh der Bischof dem Unter­nehmer Achaz am Rayn und seinen Werksgenossen eine Fundgrube am Wagram bei St. Leonhard. Ähnlich war es in der Gegend von St. Gertraud. Am 29. Septem­ber 1452 wurde Meister Niklas erlaubt, ein Bergwerk am Limberg auf dem Anwesen des Messer, dessen Name wohl von den Eisenmaßen herrührte, nach Kärntner Bergwerksrecht aufzuschlagen. Am 3. Juli 1458 erhielten schließlich Jobst Mosheymer, Hans Sittich, Conrad Kröglstein und Hans Hammersmid auf ein Jahr die Erlaubnis, ein Bergwerk im Preßenig, d. h. im Pressinggraben bei St. Gertraud, zu eröffnen und Erz zu suchen. Auch über die für diese Eisen­industrie nötigen Kohlen erfahren wir etwas aus dem Lehenbuch Bischof Antons. Am 22. Jänner 1452 verkaufte der Woifsberger Viztum Johann Stubner dem Wilhelm am Graben ein Holz am Schneeberg auf 15 Jahre zur Abstockung um 9 Pfund Pfennige und einen Zentner Eisen. Gleichzeitig erlaubte er Hans Korkling die Ausübung des Kohlenfuhrgeschäftes in den Forst für ein Jahr mit 2 Pferden gegen Entrichtung von 6 Schilling Pfennig pro Pferd. Am 14. Februar 1454 erhielt Linhart Koler ein Holz bei St. Leonhard um 5 Pfund 6 Schilling mit 8jährigem Abstockungsrecht. Mit der Beaufsichtigung der ganzen Bergbaue wurde der am 9. Oktober 1455 bestellte Bergmeister Wolfgang Terenberger betraut 20 . Aus diesen Nachrichten ersieht man, daß die Eisenindustrie im 15. Jahr­hundert in den auch später betriebenen Bergbaugebieten von Waldenstein, St. Leonhard und St. Gertraud in guter Entwicklung war.

Durch das 16. Jahrhundert erhielt sich jedoch nur der Eisenbergbau zu Walden­stein. Dies dürfte damit Zusammenhängen, daß König Maximilian durch Ver­ordnungen vom 10. und 25. Jänner 1507 zugunsten der steirischen Eisenindustrie

18 Hofkammerarchiv Wien: Innerösterr. Miszellen, Fasz. 149, F. 387; Landesarchiv Klagenfurt: Wolfsberg-Gewerke, Fasz. XCI; H. Wiessner: Geschichte des Kärntner Bergbaues, III, Kärntner Eisen, 1953, S. 279.

19 W. Fresacher: Die Erträgnisse der bambergischen Besitzungen in Kärnten um 1437: Carinthia I, 131, 1941, S. 397; Landesarchiv Klagenfurt : Ständische Handschr. 1022 .

20 Staatsarchiv Bamberg: Standbuch 2901.