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Karl Dinklage.
von Vordernberg und Eisenerz die Einstellung aller anderen Eisenbergbaue in Steiermark und Kärnten, mit Ausnahme derer von Hüttenberg und Waldenstein und mit kleinen Vergünstigungen für die unbedeutenden Eisenwerke der Klöster St. Lamprecht, Admont und Klosterneuburg, verfügte 21 . Wie nachhaltig dieses Verbot wirkte, ersieht man auch aus der Tatsache, daß selbst der bedeutende Eisenbergbau in der Krems bei Gmünd in Oberkärnten in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts gänzlich darniederlag und erst nach dem Regierungsantritt König Ferdinands im Jahre 1538 neu auf genommen wurde 22 .
Die Ausnahmebestimmung Königs Maximilians zugunsten des Waldensteiner Eisenbergbaues und die Tatkraft und Unternehmungslust des seit 1488 in Wolfsberg nachweisbaren 23 Kaufmanns Martin Freidl führte im frühen 16. Jahrhundert zur Ausbildung einer nicht unbedeutenden eisenverarbeitenden Industrie im Wolfsberger Raum. Wie weit diese noch ins 15. Jahrhundert zurückreicht, ist nicht auszumachen. Das Urbar der bambergischen Besitzungen in Kärnten vom Jahre 1437 kennt nur ein Sägewerk an der Reding hei Wolfsberg, aber noch keinen Hammer in der dortigen Gegend 24 . Eine nicht näher datierte Wolfsberger Hofkastenamtsrechnung des frühen 16. Jahrhunderts 25 stellt eine Übersicht dessen dar, was zu Martin Freidls Zeiten vorhanden und geschaffen war. Mert Kramer, wie Martin Freidl hier heißt 26 , hatte einen Eisenziehhammer am Priel zu Wolfsberg an der Stelle des heutigen Sensenwerkes J. M. Offner, der mit vier Wasserrädern versehen war. An der Schleifen bei St. Jakob nächst Wolfsberg, wo noch his 1924 die Wagenfedern- und Achsenfabrik Linhart in Betrieb war, befand sich ein Drahtziehhammer, der um 1500 um ein Wasserrad vermehrt worden war. Hingegen hatte den Hammer an der Groglitz an der Stelle des heutigen Sensen- und Gabelwerkes Johann Offner zu Schwemmt ratten das Wasser „zerrissen und hinweggetragen“, so daß im fraglichen Jahr kein Zins in den Wolfsberger Kasten floß. Zwei Hammerwerke zu Pollheini waren eben erst errichtet worden. Gegen 1525, nicht lange vor seinem Tode, erbaute Martin Freidl oberhalb Wolfsberg noch das Hammerwerk Frantschach, das später zu großer Bedeutung heranwuchs und 1881 einer der heute hervorragendsten Kraftzellstofffabriken Europas seinen Platz einräumte. In einem Vertrag vom 8. Juni 1528 über den Nachlaß Martin Freidls wird es „der new hamer an dem Zelach“ genannt. Neben der Bezeichnung Hammer am Zellach bürgerte sich der Name Frantschachhammer ein 27 .
21 Hofkammerarchiv Wien: Innerösterr. Miszellen, Fasz. 149, F. 253, 302.
22 K. Dinklage u. A. Wakolbinger: A. a. O., S. 155; H. Wiessner: A. a. O., S. 147.
23 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Urkunde v. 13. 10. 1488; K. Dinklage: Vom Eisenwerk zur Kraftpapier-Fabrik, Geschichte des Industriewerkes Frantschach, 1954, S. 10.
24 W. Fresacher: A. a. O., Carinthia, 1941, S. 398.
25 Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. LXI, Nr. 255.
26 So auch in Urkunde v. 2. 1. 1497: Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien; K. Dinklage : Frantschach, a. a. O., S. 10.
27 K. Dinklage: Frantschach, a. a. O., S. 11. Die Identität beider Bezeichnungen zeigt namentlich ein Vergleich des Wolfsberger Stadturbars v. 1674 (Stadtarchiv Wolfsberg: A 65), das zum „Hammer am Zellach“ einen Hinweis auf das Stadtrats-