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Karl Dinklage.
und Pfanneneisen, die ihre Weiterverarbeitung in Blech-, Büchsen- und Pfannenhämmern erfuhren.
Zur Herstellung von Draht und Nägeln mußte man die Wallascheisen noch zu I »rahtzainen und Nagelprügeln strecken, was seit dem 16. Jahrhundert in schnelllaufenden Zainhämmern (Bild 3) geschah. Martin Freidl d. J. verfügte 1545 noch nicht über einen eigenen Zainhammer in Frantschach und mußte daher die Wallascheisen unter dem Schmiedhammer Überzainen, wie er sagte. Draht wurde aus den von Wallascheisen bereiteten Drahtzainen hergestellt, indem diese unter Mithilfe der Wasserkraft durch ein Zieheisen gezogen wurden. Es konnten mit der Zange bei jedem Ruck etwa 20 bis 25 cm gezogen werden. Dies wiederholte man so lange, bis man Drahtlängen von 10 bis 15 m erreicht hatte. Die Drahtzieher saßen auf Schaukeln mit Wasserradantrieb. Zur Anfertigung der Nägel war gutes Eisen erforderlich, das sich anspitzen ließ. Eisenstangen wurden in einem Schmiedefeuer erhitzt, das mitten in der Werkstatt stand, damit mehrere Schmiede bequem daran arbeiten konnten. Das Ende der Stange wurde jeweils auf dem Amboß zugespitzt und auf dem im Amboßstock befestigten Blockmeißel abgehauen. Dann steckte man die abgehauene Spitze in eines der im Amboß angebrachten Löcher und schmiedete den Nagelkopf aus. Bei kleineren Nägeln diente zum Ausschmieden der Köpfe wohl auch ein besonderes Nageleisen, das im Amboßstock befestigt war 31 .
Unter Hans Ungnad Freiherrn von Sonnegg, der König Ferdinands oberster Feldhauptmann in den niederösterreichischen, windischen und kroatischen Landen sowie steirischer Landeshauptmann war, erfuhr die Waldensteiner Eisenindustrie erheblichen Aufschwung. Bürgermeister und Rat zu Wolfsberg berichten unter dem 14. April 1545, daß er einen neuen Hammer zum Eisenschmieden und eine neue Werkgaden zum Drahtziehen in Waldenstein erbaut, ebenso auf der Pack ein neues Eisenberg- und Hammerwerk errichtet habe. Hans Ungnad weist selbst in einem Bericht vom 16. Oktober 1545 darauf hin, wie rationell er seine neuen Hämmer, Blähhäuser und Werkgaden eingerichtet und konzentriert habe, nachdem an alten Blähöfen und Hämmern allein im Waldensteiner Graben in die dreizehn stünden. Hans Ungnad wurde von König Ferdinand auch mit einer Reihe von Eisenausfuhrprivilegien nach Untersteiermark und Ungarn (7. Mai 1543) sowie nach Graz (17. November 1543), ebenso mit einem solchen für Draht, Nägel und Hufeisen nach Norden ins Salzburgisehe (8. März 1541) ausgestattet.
Am 5. August 1551 fügte König Ferdinand diesen Verleihungen ein besonders wichtiges Privileg hinzu, indem er Hans Ungnad das Recht erteilte, zu Waldenstein ein oder mehrere Hammerwerke aufzurichten und dort die Verzinnung dünnen Schwarzblechs durchzuführen. Auf diese Industrie sollte der Freiherr für die nächsten 20 Jahre das Monopol in den gesamten niederösterreichischen Landen haben. König Ferdinand schuf sich mit diesem Privileg außerdem einen guten Abnehmer für sein Schlackenwalder Zinn, dem er durch ein Einfuhrverbot für ausländisches Zinn im Oktober 1550 bereits Auftrieb zu geben versucht hatte. Hans Ungnad erhielt auch volle Handelsfreiheit für seine verzinnten Bleche. Dieselben wurden namentlich zur Dachdeckung verwendet. Für die Einführung
31 O. Johannsen: Geschichte des Eisens, 1953, S. 171, 173.