Alte Eisenindustrie im Lavanttal.
dieses neuen Produktionszweiges zog Hans Ungnad auch Arbeiter und Hammerschmiede aus der Oberpfalz und vom Schneeberg im Fichtelgebirge herbei. Freilich hatte er mit der Konkurrenz des Yordernberger und Eisenerzer Eisenbergbaues schwer zu kämpfen. Zugunsten dieses sogenannten leobnischen Eisens wurde durch Erlaß König Ferdinands vom 4. Juli 1552 die Ausfuhr der Waldensteiner Kleineisenwaren und des oberkärtnerischen Eisens der Krems ins Salzburgische und ins Reich verboten, am 29. Juli des gleichen Jahres auch die Waldensteiner Eisenausfuhr nach Graz gestoppt. Nur mit den Dachblechen konnte Hans Fngnad überallhin handeln. Dabei war aber Waldenstein weitgehend auf Ausfuhrmöglichkeiten nach Norden und Osten angewiesen, weil es sich auf dem Italienweg gegenüber dem Hüttenberger Eisen hinsichtlich Entfernung und Qualität im Nachteil befand. Lediglich zur Draht- und Nägelerzeugung eignete sich das Waldensteiner Eisen gut, sagten damals die Sachverständigen 32 .
Als der Gold- und Silberbergbau, der namentlich von den dreißiger bis in die siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts im oberen Lavanttal blühte und gute Erträgnisse abwarf, allmählich an Ergiebigkeit zurückging, begann sich auch der Bischof von Bamberg, der Herr dieses Gebietes, selbst für den Eisenbergbau zu interessieren. Ihm ist die Ingangbringung des Eisenerzabbaues an der Wölch bei St. Gertraud westlich der Lavant zu verdanken. 1576 ließ er Erkundigungen wegen des Eisenerzes in der Wölch einziehen und Viztum Georg von Wichsenstein schrieb ihm am 26. Mai des genannten Jahres: „Das Eyssenpergwerch in der Weichau belangent soll Euer Fürstlichen Gnaden mit ehister Gelegenheit nach Einziehung nottwendiger Erkhundigung Bericht zugefertigt werden.“ Ein Hütten- und Bergwerksregister von 1579 enthält bereits „Aüßgab auf das new Eyssenpergk- werck an der Welch im Lavnthal“. Im Pressinggraben bei der dort um 1530 errichteten Fronschmelzhütte, wo der Bischof bisher die ihm gebührenden Fronabgaben der Lavanttaler Gold- und Silberbergbaue hatte verschmelzen lassen, •wurde nahe dem Hofbauernanwesen nun ein Stuckofen samt Eisenhammerwerk aufgerichtet. Auch am Loben bei St. Leonhard begann man im Jahre 1597 mit Schürfungen nach Eisenerz 33 . Doch führten diese Unternehmungen zunächst noch nicht zu hinreichenden Erfolgen.
Vielmehr verkaufte der Bischof von Bamberg beide Eisensteinbergbaue samt Hütten- und Hammerwerken zu Anfang des 17. Jahrhunderts dem steirischen Landesviztum Alran von Mosheim mit der Auflage, dieselben in Gang zu bringen. Dies tat der Käufer aber nur mit dem Bergbau bei St. Leonhard und hinterließ bei seinem Tode 1617 lediglich eine große Schuldenlast; selbst seinen Knappen, Blähhausleuten, Erzführern und Köhlern war er 1000 Gulden Lohn rückständig geblieben. Am 24. September 1618 kam nun der Kärntner Münzmeister Melchior Putz von Kirchheimegg in den Besitz dieser Eisenwerke und brachte auch den Bergbau an der Wölch sowie das Hütten- und Hammerwerk im Pressinggraben
32 Hofkammerarchiv Wien: Innerösterr. Miszellen, Fasz. 149; Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Urkunde v. 5. 8. 1551.
33 K. Dinklage: Frantschach, a. a. O., S. 36f.; Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. XII, Nr. 50; XXVI, Nr. 102, F. 341; LXI, Nr. 255; XXVIII, Nr. 107.
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