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Karl Dinklage.
wieder in Gang 34 . Ans der bambergisehen Lehensurkunde über diese Werke vom 17. August 1622 35 für Melchior Putz ersieht man, daß die Anlagen im Pressinggraben aus einem Bläh- oder Stuckofen, einem großen welschen Hammer, der zur Erzeugung des Wallascheisens diente, und einem kleinen Hammer bestanden, der jedenfalls ein schnellaufender Zain- oder Streckhammer war. Die Werke zu St. Leonhard und im Pressinggraben samt den zugehörigen Bergbauen veräußerte Melchior Putz am 1. Mai 1622, bzw. 5. April 1623 weiter. St. Leonhard wurde nach nochmaligem Besitzwechsel am 24. April 1633 durch den Bischof von Bamberg selbst übernommen; Pressing kam an den Wolfsberger Bürger und Kaufmann Georg Melrer und nach dessen baldigem Tode an dessen Sohn Gottfried. Melrer befand sich bereits seit dem Jahre 160 6 36 im Besitz des unweit Pressing gelegenen Hammerwerks Frantschach und hätte nun nach dem Ankauf des Bergwerkes an der Wölch und des Hüttenwerkes im Pressinggraben aus diesen Liegenschaften eine hübsche Eisenindustrie aufbauen können, wenn seine Mittel dazu hingereicht hätten. So aber mußte er sich bald wieder entschließen, Pressing und Wölch abzugeben.
Nach einem Zwischenspiel gelangten diese Realitäten am 14. Juli 1633 in den Besitz des unternehmungslustigen bambergisehen Hofkastners in Wolfsberg, Hans Sigmund Otto und des Wolfsberger Ratsherren und Kaufmannes Sebastian Fries 37 . Otto, der später der Ahnherr der Freiherren von Ottenfels wurde, hatte von mütterlicher Seite aus der Sippe der Oberstbergmeister Singer von Steinfeld eine starke Begabung für den Bergbau und die Montanindustrie geerbt. 1637 konnte er sich bereits dem Kaiser gegenüber rühmen, in den letzten sieben Jahren sieben neue Werkgaden, wie Zain-, Nagel-, Draht- und Streckhämmer, sowie im Pressinggraben einen neuen Stuckofen erbaut zu haben. An dem Nagelhammer, den er beim Prielhammer zu Wolfsberg erbaut hatte, fanden 72 Arbeiter Beschäftigung, an einer zweiten Nagelschmiede an der Schleifen unter St. Jakob 24. Vom Hammerwerk im Pressinggraben und Bergwerk an der Wölch kaufte Otto dem Fries seinen halben Anteil wieder ab und verlegte sich dann besonders auf die Förderung des Bergbaues. Dabei hatte er großen Erfolg, indem er 1636 Hoffnungsbaue bei alten Zechen vortrug, die 200 bis 300 Jahre früher für den Gold- und Silberbergbau angelegt, aber wegen des statt dessen angetroffenen dicken und festen Eisenganges verlassen worden waren. Da stieß Otto auf Eisenerze, mit denen nach seinen Angaben drei oder vier Stucköfen auf 100 und mehr Jahre mit genügend Material versehen werden konnten. Es gelang ihm, für diesen Glücksbau den Bischof Franz von Bamberg persönlich zu interessieren und durch Vertrag vom 24. April 1637 zum halben Teilhaber zu gewinnen. Das Hochstift erklärte sich auch bereit, zur schnelleren und rationelleren Verwertung der großen Welcher Bergschätze einen neuen Blähofen und Hammer bei Sankt
34 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Urkunde v. 24. 9. 1618.
35 Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. XXVIII. Nr. 118, F. 51.
36 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Urkunden v. 1. 5. 1622, 4. 5. 1623, 24. 4. 1633, 29. 3. 1626 u. 7. 6. 1627; Stadtarchiv Wolfsberg: A 1, F. 53, 58; K. Dinklage: Frantschach, a. a. O., S. 24, 38 ff.
37 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Handschr. 369, F. 223'.