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Karl Dinklage.
aus 39 Zentnern Erz unter Verwendung von 34 Schaff = 480 Kubikfuß Kohle, in den Floßöfen dagegen aus nur 33 Zentnern Erz, das hier besser ausgewertet wurde, bei Verwendung von nur 25 Schaff = 356 Kubikfuß Kohle. Durch die Erfolge Ottos beim Eisenbergbau an der Wölch stieg dort die Förderung sprunghaft. Hatte man von Georgi bis Michaelis 1630, d. h. in einem halben Jahr, dort ganze 100 Zentner Eisenerz gefördert, so wurden 1637 bei den Gruben Dreifaltigkeit und Barbara nicht weniger als 9293 Zentner Erz zu Tage gebracht 40 .
Neben dem Floßofen erbaute Otto in St. Stefan auch einen Brescian- liammer, der verschiedene in Italien verlangte Flach- und Rundeisengattungen, wie Righa, Tondini, Ottangoli, Lama und Quadri, erzeugte 41 . Doch stürzte sich Otto durch seine großen Unternehmungen in Schulden, die sowohl zum Verlust des Werkes im Pressinggraben wie desjenigen zu St. Stefan führten. Pressing kam samt dem Bergbau Wölch zunächst an Ottos ehemaligen Kompagnon Fries und am 11. Oktober 1640 schließlich an den Bischof von Bamberg. Otto erhielt als gewisse Entschädigung 1641 von Bamberg die Genehmigung, einen Floßofen am Ragglbach bei St. Paul zu errichten, geriet aber auch mit diesem in immer größere Schulden. Nachdem der Ofen in Gläubigerhände übergegangen war, kam er in den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts zur Einstellung 42 . Den Hochofen zu St. Stefan aber versetzte der bambergische Viztum in Wolfsberg Rudolf’ von Stadion 1639 von da nach Waldenstein, dessen Werke und Bergbaue der Bischof 1638 an sich gebracht hatte 43 . Auf diese Weise befanden sich sämtliche Eisensteinbergbaue des Lavanttales von 1640 an im Eigenregiebetrieb des Bamberger Bischofs und bildeten so einen großen zusammenhängenden Industriekomplex, zu welchem 1722 auch das Hammerwerk Frantschach trat, das 1653 aus dem MELBERSchen Nachlasse an die Wolfsberger Kaufmannsfamilie Nunhardt gekommen war und nach dem Konkurse Franz Nunhardts (1721) vom Hochstift Bamberg als Lehensherrschaft heimgezogen wurde 44 . Waldenstein wurde freilich 1672 wieder abgegeben.
Als der Bamberger Bischof am 20. September 1638 von der Landgräfin Margarete Elisabeth von Hessen die Herrschaft Waldenstein erwarb, die sie von ihrer Mutter, Gräfin Anna zu Leiningen, einer geborenen Ungnad, geerbt hatte, umfaßte das dortige Eisenwerk ein Blähhaus unter dem Schloß mit einem Stuckofen, einem Pocher und zwei Röstöfen sowie einem Zainhammer und eine Brettersäge, ferner das sogenannte hintere Blähhaus oberhalb Waldenstein mit zwei Stucköfen, die im Wechsel betrieben wurden, so daß der eine in Funktion war, während der andere erkaltete, einem Pocher und drei Röstöfen, dazu das Hammerwerk im Fraßgraben samt einem Sinterofen. Viztum Rudolf von Stadion, der den Floßofen Hans Sigmund Ottos nach Waldenstein versetzte, errichtete
41 Staatsarchiv Bamberg: Kärntner Litteralien B 31a, Verz. III, Nr. 12, F. 11; Hammer-, Nagelschmied- u. Drahtordnung in dem Herzogtum Kärnten v. 24. 4. 1759, S. 15.
42 Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. XXVIII, Nr. 118.
43 Gräflich Henckel v. Donnersmarcksches Archiv Reideben: Aktenbestand „Bergwerke und Gewerken“.
44 K. Dinklage: Frantschach, a. a. O., S. 29, 31 ff.