Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
Seite
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Alte Eisenindustrie im Lavanttal.

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dort auch amUmlaß einen Stuckofen und einen Hammer nebst zwei Heizöfen und einem Pocher, wo Eßeisen für den Ansatz der Blasbälge bei den Stuck- und Floßöfen erzeugt wurden. Er berichtet von einer neu erschlossenen Grube, die jährlich rund 1000 Meiler (560 t) Erz lieferte 45 . In dem 1639 von St. Stefan nach Waldenstein übersetzten Floßofen wurden auch in erheblichem Maße Erze von der Wölch bei St. Gertraud verhüttet und l>eispielsweise im Jahre 1654 aus solchen 116 Flößen im Durchschnittsgewicht von 330 Pfund (185 kg) erzeugt 46 .

Jedoch war die Zufuhr umständlich und so wurde am 13. Juli 1672 Walden­stein wieder veräußert. Darauf entschloß sich der Bischof von Bamberg, nachdem er 1678 in St. Leonhard zur besseren Verhüttung der Loben er Erze eben­falls einen Floßofen errichtet hatte, das Hammer- und Hüttenwerk aus dem Pressinggraben an das rechte Lavantufer nach St. Gertraud unmittelbar unter die Welcher Eisengruben zu verlegen und dort 1688 gleichfalls einen Floßofen zu er­bauen. Die Kapazität das neuen Werkes war mit rund 350 Meilern (196 t), wie sie schon 1691 erreicht wurde, doppelt so groß wie im Pressinggraben. An Erzen wurden 1693 an der Wölch 26.212 Zentner (1467, 872 t) gefördert. Der Absatz für St. Gertraud war gut, denn am Ende des Jahres 1695 blieben von 162 Meilern 398 Pfund Nageleisen, das in Buschen und einzelnen Stangen abgegeben wurde, nur 7 Pfund in Vorrat, während die 21 Meiler Drahteisen gänzlich von den Ge­werken abgenommen wurden, ebenso die 1375 Pfund Flammeisen von den Schmie­den und von 3477 Pfund Schieneisen 680 Pfund. Diese Übersicht zeigt gleich­zeitig das Erzeugungsprogramm von St. Gertraud. Auch Waldensteiner Erze wurden übrigens daselbst verhüttet, anderseits Erze vonjler Wölch nach St. Leon­hard zur Verbesserung des dortigen Möllers geschafft 47 . Mit der Einrichtung von modernen Floßöfen statt der alten Stucköfen in jedem der bambergischen Werke des Lavanttales ging die bischöfliche Verwaltung mit gutem Beispiel voran. An der Kärntner Haupteisenwurzen in Hüttenberg hat es noch ein Jahrhundert länger gedauert, bis der neuzeitliche Verhüttungsprozeß dort allgemeine Ein­führung fand, ebenso am steirischen Erzberg.

Nach einer Beschreibung von 1747 umfaßte das Werk St. Gertraud drei Röst­öfen zum Vorbereiten der Erze, einen Floßofen, zwei Zerrennfeuer zum Ver- frischen der Flößen, zwei Wallaschhämmer und zwei Heizfeuer. In dem eng damit verbundenen nahen Frantschach war nach der Erwerbung durch Bamberg auch eine Erzverhüttungsanlage, bestehend aus zwei Röstöfen und einem Floß­ofen, erbaut worden, die aber später wieder zur Einstellung kam. Ferner waren dort ein Zerrennfeuer zum Verfrischen der Flößen, ein Wallaschhammer, der Drahtwallasche und Blechflammen erzeugte, und ein Blechhammer vorhanden, der aus den Flammen die Bleche herstellte, beide ausgestattet mit je einem Heiz­feuer. In St. Leonhard schließlich stand ebenfalls ein Floßofen samt den nötigen Röstöfen; dazu kamen zwei Rennfeuer zur Flößenverfrischung, ein Wallasch­hammer sowie ein Streckhammer, der die Erzeugnisse des Wallaschhammers zu

45 H. WlESSNER: A. a. 0 S. 279, 286.

46 Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. XX, Nr. 79, F. 155.

47 Landesarchiv Klagenfurt: Herrsch. Bamberg, Fasz. XXV, Nr. 99, F. 3, 11 usw.