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Karl Dinklage.
Schienen und Stangen streckte, beide ausgestattet mit je einem Heizfeuer 48 . Das Waldensteiner Werk war wegen seiner abseitigen Lage durch Bamberg 1672 veräußert worden und befand sich 1805, wo es der Wolfsberger Gewerke Johann Michael Offner erwarb, in Schönbornschem Besitz. So teilte es auch nicht das Schicksal der gesamten bambergischen Besitzungen in Kärnten, die am 15. Juni 1759 durch Kaiserin Maria Theresia um 1 Million Gulden angekauft wurden 49 .
Auf diese Weise wurden die Eisenwerke zu St. Gertraud, Frantschach und St. Leonhard ärarisch; doch blieb in St. Gertraud der bambergische Oberverweser Josef Leopold Bohr im Amte. Das war für die Einführung verschiedener kohlesparender Neuerungen im Eisenwesen, die Maria Theresia wünschte, wenig günstig. In ihrer Berg-, Deutschhammer- und Kadwerksordnung zu Hüttenberg, Mosinz und Lölling vom 24. April 1759 hatte die Kaiserin ausdrücklich die ausgedehnte Erzeugung von Blattein statt Flößen in den Hochofenwerken verlangt, weil bei diesen verhältnismäßig dünnen Eisenscheiben der höhere Kohlenverbrauch, der durch das Einrennen der dicken Flößen in den Hämmern entstand, vermieden werden konnte. Als die geeignetste Dicke der Blattel bezeichnet der Naturforscher Hacquet 1781 V 2 Zoll (1,3 cm) 50 . Die Flößen hingegen hatten demgegenüber nach Jars 1758 bei einem Gewicht von 5 bis 6 Zentnern 4 Zoll (10,4 cm) Dicke, 4 Fuß (1,26 m) Länge und 1 Fuß (31,4 cm) Breite 51 . Im 19. Jahrhundert wurden die Anforderungen an die Dünne der Blattel noch gesteigert. I*. Tunner wünscht 1858 für solche eine gleichmäßige Stärke von nur I bis 2 Linien (2,2 bis 4,4 mm) bei V 2 bis 3 Fuß (15 bis 94 cm) Scheibendurchmesser, während er eine Floße als gegen 5 Fuß (1,50 m) lang, 9 Zoll (23,4cm) breit und nur 1 bis 3 Zoll (2,6 bis 7,8 cm) dick beschreibt. Eine beim Sensenhammerwerk Zeilinger in Himmelberg ausgegrabene Floße jener Zeit (Bild 5) zeigt gar nur die halbe Länge, nämlich 75 cm, dazu eine Breite von 29 cm und eine Dicke von 4 bis 6 cm bei einem Gewicht von 85 kg. Ein von ebenda stammendes Blattel, von dem sich eine Hälfte erhalten hat (Bild 5), besitzt einen Scheibendurchmesser von 40 cm und eine'Dicke von 7 mm. Das Gewicht der vorhandenen Hälfte dieses Blattels beträgt jetzt 6 kg, so daß die ganze Scheibe ehedem 12 kg gewogen hat 52 .
Das Blattelmachen schildert B. F. Hermann 1780 folgendermaßen: „Sobald man merkt, daß zum Abstechen Zeit ist, so wird vor dem Auge ein rundes, etwa 1V 2 Schuh (47 cm) tiefes, einem umgekehrten Kegel ähnliches Floßenbett aus Ton und Kohlenlösche gemacht und fest zusammengestampft. In diese Grube nun läßt
48 Staatsbibliothek Bamberg: RB Msc. 113, F. 218; M. Wutte: Die Lage der bambergischen Herrschaften in Kärnten vor ihrem Verkaufe im Jahre 1759, Carinthia I, 1907, S. 189.
49 Haus-, Hof- u. Staatsarchiv Wien: Urkunde v. 15. 6. 1759.
50 G. Hacquet : Mineralogisch-botanische Lustreise von dem Berg Terglou in Krain zu dem Berg Glokner in Tyrol im Jahr 1779 und 81, Wien 1784, S. 142.
51 G. Jars: Metallurgische Reisen in Deutschland, Schweden, Norwegen, England und Schottland vom Jahre 1757 bis 1769, übersetzt von C. A. Gerhard, 1777, S. 93.
52 P. Tunner: Die Stabeisen- und Stahlbereitung in Frischherden oder der wohlunterrichtete Hammermeister, 1858, I, S. 3, 5. Für freundliche Auskünfte in eisengeschichtlichen Fragen sei Herrn Ing. W. Zeilinger in Himmelberg vielmals gedankt.