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Karl Dinklage.
und St. Leonhard eingerichtet und dabei eine gute Eisenqualität erzeugt. Wie die Blattei gebraten (vorgefrischt) werden müssen, das sollte der St. Leonharder Zer- renner noch bei einem Besuche in Treibaeh genauer kennen lernen, lautete ein Vorschlag Baron Eggers vom 1. Oktober 1773. Der Freiherr empfahl in seinem Iteisebericht die Einrichtung eines doppelten Gebläses im St. Gertrauder Hochofen nach Treibacher Vorbild, weil dadurch die Roheisenerzeugung quantitativ und qualitativ verbessert werden könne. Am 15. April 1774 wurde darauf die Einführung eines solchen beim Floßofen in St. Gertraud angeordnet. Ein Ofenknecht und
Bild 6. Eisenhüttenwerk St. Gertraud i. L. um 1834 nach .T. Wagner
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ein Zerrenner sollten nach Treibaeh zur Erlernung der dortigen Manipulation geschickt werden. Der Umhau des Floßofens zu St. Gertraud kostete 803 Gulden 47V 2 Kreuzer; die neuen ledernen Bälge machten 474 Gulden 45 Kreuzer aus. Aber bei der Einrichtung des Gebläses unterliefen Fehler, wie man einem Bericht vom 3. März 1775 entnehmen kann. Am 19. Mai 1775 wurde über den sehr schlechten Gang des neuen Floßofens geklagt, am 14. Juli die Verbesserung der bei der Einrichtung begangenen Fehler angeordnet. Der St.-Gertrauder Oberverweser Josef Leopold Bohr stand der Neuerung ablehnend gegenüber. Man kannte sich mit der Handhabung nicht aus. Schließlich beschloß man am 7. Juni 1776, den Floßofen zu St. Gertraud wieder nach der alten Methode einzurichten. Die aufgewandten Kosten waren umsonst gewesen 54 . Erst nach Absetzung Bohrs (1785) wurde auf Anordnung des gelehrten Klagenfurter Oberbergamtsdirektors Franz Anton von Marcher der Betrieb in St. Gertraud grundlegend verbessert und durch
54 K. Dinklage: Geschichtliche Entwicklung des Eisenhüttenwesens in Kärnten: Radex-Rundschau, 1954, H. 7/8; derselbe: Frantschach, a. a. O., S. 66ff.; Hofkammerarchiv Wien: Bancale, Fasz. 1397.