Aufsatz 
Alte Eisenindustrie im Lavanttal / von Karl Dinklage
Entstehung
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Karl Dinklage.

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mittels einer Verfrischung verschiedene und auch feine Artikel von Weicheisen­waren erzeuget 55 .

In Frantschach wurden nach dem Abgang Rohrs auch Neuerungen eingeführt. Im Jahre 1785 wurde ein dort vorhandener Brescianhammer, der nach alter Bres- cianer Methode für den Italienhandel bestimmte Flach- und Rundeisensorten her­stellte, in einen Streckwarenziehschlag umgeändert. 1804 umfaßte das Werk Frantschach einen Wallaschhamer mit zwei Feuern zur Verarbeitung der Flößen und Blattel, einen Streckhammer und einen Streckschlag mit je zwei Feuern zur Weiterverschmiedung des Wallascheisens sowie zwei Ziehhämmer zur Draht­herstellung mit zwei bzw. einem Feuer. Das Werk St. Gertraud umfaßte nach der­selben Quelle außer dem Floßofen einen Wallaschhammer und einen Streck- hammer mit je drei Feuern sowie einen Ziehhammer für den Drahtzug mit einem Feuer. Am 29. Oktober 1781 wurde die Erzeugung von Schiffsankerflügeln an dem Streckhammer zu St. Gertraud angeordnet 56 . Im Jahre 1796 wurde ein Wallaschhammer von St. Gertraud und ein solcher von St. Leonhard, weil die zur Verfügung stehenden Holkohlen im oberen Lavanttale mangelten, an den Raggl- bac-h in die Nähe der Kollnitzmühle versetzt, etwa an die Stelle, wo schon Hans Sigmund Otto im 17. Jahrhundert einen Floßofen betrieben hatte. So entstand das bis 1881 arbeitende Hammerwerk Kollnitz bei St. Paul im Lavanttal als ein Tochterwerk von St. Gertraud und St. Leonhard. Seine Errichtung kostete den Staat 30.000 Gulden. Laut einem Bericht vom 1. Dezember 1796 konnte es mit Ende des genannten Jahres den Betrieb auf nehmen 57 . Während der Franzosen­kriege wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu St. Leonhard und 1805 bis 1809 in St. Gertraud Munition gegossen, während in Frantschach Artilleriezeugeisen hergestellt wurde 58 .

Von entscheidender Bedeutung für die Weiterentwicklung des Lavanttaler Eisenwesens war die Veräußerung der ärarischen Werke zu St. Leonhard, St. Ger­traud, Frantschach und Kollnitz am 5. November 1825 an die Gebrüder Rost­horn, die Söhne des im Jahre 1795 von Kaiserin Maria Theresia aus Lancashire in England nach Wien berufenen Fabrikanten Matthias Rosthorn, die moderne, in England erprobte Methoden in die Kärntner Eisenindustrie einführten und vor allem das Werk Frantschach hoch entwickelten. Dort wurde 1828 zur Rationali­sierung der Eisen Verarbeitung ein Walzwerk eingerichtet, nachdem Graf Egger bereits 1793 in Lippitzbach in Unterkärnten das erste Blechwalzwerk der Mon­archie erbaut und Dr. Wodley 1801 in Gössering im Gitschtal ebenfalls ein solches errichtet hatte. Ein besonderes Verdienst aber haben sich die Gebrüder von Rost­horn dadurch erworben, daß sie in Frantschach 1830 an Stelle der alten Frisch­feuer den außerordentlich stark kohlesparenden Puddlings prozeß nach eng­lischem Vorbild einführten. Frantschach war, nächst Witkowitz in Mähren, das älteste Puddlingswerk der österreichisch-ungarischen Monarchie und hinsichtlich

55 F. A. Marcher: Beyträge zur Eisenhüttenkunde I 3, 1806, S. 270; Landesarchiv Klagenfurt: Berghauptmannschaft, Buch 606, 607, 608, 100.

56 Landesarchiv Klagenfurt: Berghauptmannschaft, Buch 606, 740, 207.

57 Hofkammerarchiv Wien: Bancale, Fasz. 1397.

58 Landesarchiv Klagenfurt: Wolfsberg-Gewerke, Fasz. IV, XIII, XXIII.