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Karl Dinklage.
Aktiengesellschaft, (1er am 19. November 1832 gebildeten Wolfsberger Eisenwerks- gesellschaft, in welche die Gebrüder Rosthorn, die Veranlassung zu ihrer Gründung gegeben hatten, ihre sämtlichen Werke einbrachten und 40% des Aktienkapitals besaßen. 1837 traten sie aber aus der Gesellschaft wieder aus, nachdem sie aus dem von ihnen eingerichteten Puddlings- und Walzwerk in Frantschach viele wichtige Maschinen und Einrichtungen in das mit einem ergiebigen Braunkohlenlager verbundene Prävali gebracht hatten, um mit deren Hilfe dieses zu einem Eisenwerk erster Ordnung auszubauen und dann ebenfalls aus der Gesellschaft zu lösen. Auch den ausgezeichneten Direktor Josef Schlegel des Werkes Frantschach zogen die Rosthorns nach Prävali, wo er das Puddeln mit Braunkohle erfand. 1837 bestanden in Frantschach dann nur mehr vier Frischfeuer mit zwei Hämmern, zwei Holzpuddelöfen mit Puddelhammer und Walzwerk sowie ein Streckwerk, auf dem notdürftig Flacheisen hergestellt werden konnte. Doch die Wolfsberger Eisenwerksgesellschaft scheute keine Kosten, um den Ruf Frant- schachs wieder auf die Höhe zu bringen und dort 1838 das zweite Walzwerk für Eisenbahnschienen einzurichten, das es in Österreich gab; nur Prävali ging ihm voraus 61 . Der bedeutendste Kärntner Wirtschaftsfachmann jener Zeit, Jakob Scheliessnigg, schreibt darüber 1839: „In mehreren Betriebswochen ist in Frantschach eine 1000 Zentner übersteigende Erzeugung von aus Flammeln in Paketen geschweißten Rails mit zwei Schweißöfen erzielt worden, obgleich eine gute Schweißung sicherlich die doppelte Zeit einer hloßen Glühung in Anspruch nimmt. Die Resultate der Railserzeugung mit Paketenschweißung und mittels Holz sind für die Provinzen, die an guten Steinkohlen Mangel leiden, um so erfreulicher, als der Holzverbrauch per Zentner bei entsprechender Ofenkonstruktion, kaum begreiflich, außerordentlich klein erscheint“ 62 .
In St. Gertraud und Frantschach wurden 1839 auch die Frischfeuer von der kärntnerischen Bratfrischarbeit, bei der die Blattei einem Glühfrischprozeß unterworfen worden waren, auf die schwäbische Kleinfrischerei mit Vorwärmherden und erhitztem Wind umgestellt. Dadurch waren die Strahlungsverluste geringer und die abziehenden Gase sowie die überhitze konnten zur Vorwärmung der Flößen ausgenutzt werden, was gegenüber der alten Methode, die 25 Schaff (12,245 m 3 ) Kohle pro Meiler (560 kg) Eisen erforderte, eine Brennstoffersparn is von 15 Schaff (7347 m 3 ) bedeutete. Das Railswalzwerk zu Frantschach erzeugte im Jahre 1840 29.708 Zentner Eisenbahnschienen, wovon 22.000 Zentner für die Raaber Bahn mit breiter Basis nach amerikanischer Art und die übrigen für die Mailänder Bahn nach englischer Art zum Einsetzen in Chairs bestimmt waren 63 . Im Jahre 1842 wurde in Frantschach dem Schienenwalzwerk ein Blechwalzwerk hinzugefügt. Das Railswalzwerk erzeugte außer Rails (Eisenbahnschienen) von der verschiedensten Form auch noch Tyres (Eisenbahnradreifen), Eisenbahn-
81 Landesarchiv Klagenfurt: Wolfsberg-Gewerke, Fasz. IV.
62 Bericht über die erste zu Klagenfurt im Jahre 1838 eröffnete Industrieausstellung, Graz 1839, S. 56.
63 Bericht über die zweite zu Graz im Jahre 1841 eröffnete Industrieausstellung, Graz 1843, S. 2.
64 H. Hermann, Text zu J. Wagner: Ansichten aus Kärnten, 1838/44, S. 361.