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Karl Dinklage.
1872
beheizte, benutzte man in den aus England kommenden Kupoloofen Steinkohle bzw. bei uns Braunkohle und erzielte den erforderlichen Zug durch einen hohen, unmittelbar an den Ofen angebauten Schornstein. Die Flammöfen eigneten sich wegen ihres großen Herdraumes auch zum Einschmelzen schwerer Stücke sowie wegen ihrer frischenden Wirkung zum Guß schwerer Geschütze und Walzen 65 .
Am 11. Mai 1846 erwarb der oberschlesische Eisenindustrielle Graf Hugo von Henckel-Donnersmarck den gesamten Besitz der Wolfsberger Eisenwerksgesellschaft um einen so hohen Preis, daß den Aktionären jede Aktie zu 1000 Gulden mit 2100 Gulden honoriert werden konnte. Für das Hüttenwerk St. Gertraud hatte der Übergang in den Besitz von Graf Henckel weitreichende Folgen. Der alte Hochofen und all die hölzernen Gebäude in seiner Umgebung, die auf der stimmungsvollen, aber für ein Industriewerk recht altertümlich anmutenden Lithographie von Josef Wagner aus dem Jahre 1834 (Bild 6) zu sehen sind, wurden abgerissen und mußten massiven Hüttenbauten weichen, die auf der Höhe der damaligen Technik standen. Bereits im Jahre 1847 ging man an diese Umwandlung des alten Werkes und am 9. Juni 1848 konnte der neue 12,01m hohe Hochofen (Schachtlängsschnitt: Bild 9B), der heute noch steht (Bild 10), in Betrieb gesetzt werden. Die höchste Jahresproduktion des älteren Hochofens in St. Gertraud lag 1846 bei 40.134 Zentnern (2247,5 t), die des neuen 1853 bei 63.310 Zentnern (3545,4 t). Zur Herstellung von 1 Zentner Roheisen wurden im neuen Ofen 0,84 Schaff (0,4238 m 3 ) Holzkohle, 245 Pfund geröstete Erze und 9,2 Pfund Kalkzuschläge gebraucht, wobei das Eisenausbringen 40,58°/o betrug. Das bedeutete gegenüber dem älteren eine gewisse Verbesserung, wenn auch nur geringfügiger Art.
In jenem hatte man 1 Zentner Roheisen aus 238 Pfund gerösteten Erzen, 2V 2 Pfund Kalkstein, den man im 19. Jahrhundert zur Herabminderung des Schwefelgehaltes des Roheisens dem Möller beizugeben begonnen hatte, und 0,9 Schaff (0,4408 m 3 ) Holzkohle erzeugt und die Eisenerze zu 41°/o ausgebracht. In dem neuen Hochofen wurden vor allem Floße und Gußeisen für den Eigenbedarf hergestellt. 1848 wurde auch ein neuer Flammofen errichtet und der bestehende Kupoloofen umgebaut. Im Flammofen wurden Walzen und größere Gußstücke gegossen, während der Kupoloofen nur als Aushilfe diente, wenn der Hochofen stand 66 .
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Bild 9. Schachtlängsschnitte des Hochofens zu St. Gertraud in den Jahren 1809 bzw. 1872.
65 O. Joiiannsen: A. a. O., S. 302.
66 Landesarchiv Klagenfurt: Wolfsberg-Gewerke, Fasz. XIII.