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Karl Dinklage.
Weltausstellung von 1873 billigt dem Eisenwerk Frantschach nur mehr eisengeschichtliches Interesse zu, wenn darin gesagt wird: „Durch die Errichtung des ersten Schienenwalzwerkes und dadurch, daß von hier aus die wichtigsten Reformen im Fache der Eisenraffinerie, der Puddlings- und Walzwerksbetrieb sich allmählich über die ganze österreichische Monarchie verbreiteten, hat dieses Werk speziell für den österreichischen Eisenhüttenmann ein historisches Interesse 72 .“
Das Eisenwerk Frantschach sowohl wie die Hochofenwerke St. Leonhard, Waldenstein und St. Gertraud, die 1876 bzw. 1883 eingestellt wurden, erlagen der
Bilcl 13. Eisenwerk St. Leonhard um 1838 nach F. Springer.
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schwindenden Konjunktur auf dem Welteisenmarkt, die sich nach dem Bankkrach von 1873 anbahnte und bis 1879 die tiefsten Eisenpreise des Jahrhunderts brachte, so daß alle kleineren Werke und Eisensteinbergbaue unrentabel wurden, und dies schon ehe in den frühen achtziger Jahren die innerösterreichische Konkurrenz des billigen, durch das Thomasverfahren von seinem Phosphorgehalt befreiten böhmischen Eisens dem Eisenwesen Kärntens eine tiefgreifende Schädigung zufügte.
Graf Hugo von Henckel-Donnersmarck war aber nicht der Mann, der vor diesen Verhältnissen kapituliert hätte. Er zog daraus nur die notwendige Folgerung und stellte die Erzeugung zeitgemäß um. Durch diese Tat schuf der geniale Industrielle die Grundlagen für die Entwicklung Frantschachs zu einer der bedeutendsten europäischen Zellulosefabriken, in der er den bisher verkohlten Holzanfall seiner riesigen Wälder nutzbringend verwerten konnte 73 .
72 Specialkatalog der Collektivausstellung im Pavillon der kärntnerischen Montanindustriellen auf der Wiener Weltausstellung 1873, S. 23.
73 K. Dinklage: Frantschach, a. a. O., S. 117 ff..