Technikgeschichtliche Bücherschau.
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Die Geschichte dieser Eisenproduzenten beginnt aber mit dem 18. Jahrhundert, mit dem Einsetzen der industriellen Revolution, und so erleben wir die Technikgeschichte von 250 Jahren nicht als bloßen Dokumentenbericht, sondern als einen von Generation zu Generation immer zäher geführten Kampf des Menschen mit dem in der Kohlenglut erschmolzenen Werkstoff Eisen, ohne den vieles, was wir heute als technische Großtat bewundern, einfach undenkbar wäre. — Ein Thomas Newcomen erfindet die atmosphärische Maschine, eine Vorläuferin der Dampfmaschine; gußeiserne Dampfzylinder in immer größerem. Ausmaß und steigender Anzahl werden gebraucht; Zylinderbohrmaschinen mußten geschaffen werden; James Watt führt die Kondensationsdampfmaschine ein, die erste Lokomotive taucht auf und damit die Forderung nach gußeisernen Gleisschienen. Die erste gußeiserne Brücke wird gebaut, Kohle als Brennstoff für den Schmelzofen genügt nicht mehr, die Verwendung von Koks wird versucht. All dies erleben wir in historischer Treue zwischen den engbeschriebenen Kolonnen der Werkshuchhaltung und wohlgeordneten Geschäftskorrespondenz im Goalbrookdale Werk, alle Erfolge und Mißerfolge, Freuden und Enttäuschungen.
Die Darbys waren Quäker und wie viele von ihnen von hoher Moral und strengem Verantwortungsbewußtsein erfüllt, auch dann, wenn es die Wertung der Leistungen aus der Vergangenheit galt. Aus dieser Einstellung heraus werden wir manches verstehen, was uns in diesem Buch altmodisch, ja primitiv anmutet, für den Engländer aber die liebevolle Pflege der von den Voreltern überlieferten Güter und Gewohnheiten bedeutet, der Tradition in reiner Form.
Auch in Österreich gehört die Eisengewinnung zu den alteingesessenen Produktionszweigen. „Die technische Entwicklung des österreichischen Eisenwesens“ 0 wurde vom Grazer Joanneum in einer Bildserie veröffentlicht, die als Unterrichtsbehelf gedacht ist. Die gewählte neuartige Darstellung macht sie für alle Schulstufen geeignet.
Ein eindrucksvolles Bild vom Stande der alten Goldschmiedekunst vermittelt, wenngleich nur als Nebenzweck, mit zahlreichen guten Photographien illustriert, das Buch über „Die Krone des Heiligen Stephan“/ Diese ist nicht nur ein christliches Kleinod, der kostbarste Schatz der ungarischen Nation und von eminent kunstgeschichtlicher Bedeutung, sie ist auch von ungeheurem historischem Wert, da wir sonst nur sehr dürftige Zeugnisse von der Entstehung des ungarischen Königtums besitzen. „Aber sie ist stumm, keine Inschrift kündet die Herkunft ihrer alten Bestandteile.“ Daher ist es für den Historiker besonders aufschlußreich, die Herkunft derselben zu erforschen. Einen ausgezeichneten Beitrag zu dieser Aufgabe liefert mit hervorragender wissenschaftlicher Exaktheit die nun vorliegende Arbeit von Mathilde Uhlirz, die als Band XIV der Veröffentlichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung erschienen ist.
B Kulturgeschichtliche Gesellschaft ani Steiermärkischen Lainlesinuseum Joanneum. Kulturgeschichtlicher Bilderbogen II. „Die Technische Entwicklung des österreichischen Eisenwesens“, 1. Teil. Nr. 1—8. Redaktion, Bilder und Text Oberingenieur Dipl.-Ing- Wilhelm Schuster. Graz 1953, Joanneum.
7 Mathilde Uhlirz : „Die Krone des Heiligen Stephan, des ersten Königs von Ungarn “ Graz-Wien-München 1951, Stiasny G. m. b. H.