Technikgeschichtliche Bücherschau.
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Kreisen vor Augen führen soll. 39 Das Buch befaßt sich mit allen Problemen der Stadtplanung, sowohl mit den dringlichsten Neu- und Wiederaufbauten als auch mit weitblickenden Vorschlägen für die Zukunft. Die Bilder sind zum Großteil Photographien und Wiedergaben der Modelle, Pläne und Graphiken, die seinerzeit in der Ausstellung des Stadtbauamtes über die Stadtplanung in der Wiener Sezession gezeigt wurden. Einige der angeführten Projekte sind inzwischen den Wienern zur vertrauten Wirklichkeit geworden, andere allerdings im Zuge der Ereignisse schon wieder überholt. Gleichzeitig mit diesem Buch ist von der Stadtbaudirektion Wien ein Bericht über die Sitzungen 40 zur Vorbereitung dieser Entwürfe herausgegeben worden, der auszugsweise und in stark gekürzter Form die Protokolle und die in den Sitzungen angenommenen Beschlüsse enthält.
Aus dem Bauingenieurwesen sei ferner das Werk über die „Schweizer Architektur“ von Hans Volkart angeführt. 41 Ein reiches Bildmaterial, kritische Aussprüche führender Schweizer Bauleute und ein kluger und klarer Text des Autors selbst bilden zusammen die ausgezeichnete Darstellung eines Bauschaffens, das uns manches zu sagen hat. Solidität kennzeichnet es, vom Entwurf bis zur materiellen Durchbildung, ebenso wie eine bemerkenswerte Immunität dem Modischen gegenüber, was bei der heute ungeheuren Beeinflussung des Schaffenden durch Presse und Kritik hoch anzurechnen ist; und die darauf beruhende „Haltung“ sollte gerade dort besonders geschätzt werden, wo sie fehlt. Wenn der Schweizer nicht bloß infolge der politischen Geschehnisse, sondern seinem Innersten, eher kleinbürgerlichen Wesen nach, deutlich gegen alles Monumentale Front macht, so ist dies ein volkspsychologischer Zug, der sich zufällig aber recht glücklich mit der augenblicklichen Kunstkritik deckt: Das Schweizer Bauen wirkt daher absolut modern. Freilich könnte man hier — und als Ergänzung zu Volkarts Buch, hinzufügen, daß sich ein wahrer Künstler im Innersten und bei einiger Freiheit von der „öffentlichen Kunstmeinung“ trotzdem kaum das Recht nehmen lassen dürfte, seinem Werk jene „Größe und Würde“ zu geben, die es verlangt und die jede Generation der Menschheitsgeschichte schuldig ist.
„Schmiedeeisen und I^eichtmetall am Bau“ 42 ist ein in der Auswahl der 340 Abbildungen und im Aufbau des Anschauungsmaterials, vor allem aber in der Methode des Textes überaus geglücktes Fachwerk. Keine Form des geschmiedeten Metalls bleibt ohne, bei aller Kürze, völlig ausreichende technischhandwerkliche Erklärung. Auch für den, der nicht ausübender Schmied ist, wohl aber eiserne Bauelemente zu entwerfen oder zu beurteilen hat, bleibt kaum ein Zweifel darüber, was werkgerecht ist und was nicht. Die Frage allerdings nach der Daseinsberechtigung alter Werkstoffe und Arbeitsweisen gegenüber neu auf-
39 Karl H. Brunner : „Stadtplanung für Wien.“ Herausgegeben vom Stadtbauamt der Stadt Wien. Wien 1952, Verlag für Jugend und Volk G. m- b. H.
40 „Bericht über die Sitzungen der geineinderätlichen Kommission zur Vorberatung der Entwürfe von Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen der Stadt Wien vom 4. April 1951 bis 27. Februar 1952.“ Zusammengestellt durch das Stadtbauamt Wien, Stadtbaudirektion. Wien 1952.
41 Hans Volkart : „Schweizer Architektur.“ Ravensburg 1951, Otto Maier-Verlag-
42 Wilhelm Braun-Feldweg: „Schmiedeeisen und Leichtmetall am Bau.“ Ravensburg 1952, Otto Maier-Verlag.