Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft
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Die Leipniker Fabrik war eine sogenannte gemischte Fabrik, sie war zur unmittelbaren Erzeugung von weißer Ware aus der Rübe sowie zur Raffination von fremdem, gekauftem Rohzucker eingerichtet. Außer kontrahierter Bauernrübe wurde die Rübe zum Großteil von vier eigenen Ökonomien aus der nächsten Umgebung bereitgestellt. An Sorten wurden hauptsächlich Brodeware (Hutzucker), der in Faßverpackung, und Melispile (Stückzucker), der als Sackware zum Versand gelangte, erzeugt. Der Zucker fand wegen seiner vorzüglichen Güte reißenden Absatz, so daß es im Anfang überhaupt keine Lagervorräte gab. Das erste Geschäftsjahr 1867/68 ergab einen Reingewinn von 32729 Gulden.
Durch dieses günstige Ergebnis ermutigt, beschloß eine außerordentliche Generalversammlung vom 10. April 1869 den Ankauf der Groß-Tanyer Zuckerfabrik im ungarischen Komitate Komorn, an der Robert Schorisch finanziell beteiligt war, um den Betrag von 140000 Gulden und zum Erwerb der hiezu erforderlichen Mittel die Erhöhung des Aktienkapitals auf 800000 Gulden. Ferner gelangte man zu Beginn der Siebzigerjahre zu der wirtschaftlichen Erkenntnis, daß unter den damaligen Verhältnissen die Trennung der Rohzuckererzeugung und der Raffination des Rohzuckers auf weiße Ware in verschiedenen Betriebsstätten vorteilhafter wäre als die unmittelbare Erzeugung von weißer Ware aus der Rübe in ein und derselben Fabrik. Die Gesellschaft faßte daher den Entschluß, an dem für den Rohzuckerbezug aus den verschiedensten Richtungen so überaus günstigen Bahnknotenpunkt Lundenburg eine reine oder trockene Raffinerie zu errichten. Im April des Jahres 1871 wurde der für den Bau erforderliche Grund erworben. Den Bau der Raffinerie Lundenburg leitete wieder Architekt Karl Jirusch aus Groß-Seelowitz, die Maschinen und Einrichtungen wurden von denselben Firmen geliefert. Der Bau wurde so rasch durchgeführt, daß der Raffineriebetrieb schon am 22. Februar 1872 auf genommen werden konnte. In einer außerordentlichen Generalversammlung vom 27. Juli 1871 wurde der bisherige Firmen Wortlaut in „Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft“ abgeändert, um den erweiterten Wirkungskreis der Gesellschaft auch in der Firma ersichtlich zu machen.
•Zu dem Entschlüsse, die Lundenburger Raffinerie zu errichten, trug wesentlich das überaus günstige Ergebnis des vierten Geschäftsjahres bei, das einen Reinertrag von 400000 Gulden, also die Hälfte des damaligen Aktienkapitals ab warf. Zur Deckung der Baukosten der neuen Raffinerie in Lundenburg wurde in der erwähnten Generalversammlung vom 27. Juli 1871 das bisherige Aktienkapital von 800000 Gulden auf 2000000 Gulden erhöht.
Durch den großen Börsenkrach des Jahres 1873 und die damit verbundenen zahllosen Konkurse erlitt die Firma auch Verluste, die sie jedoch bei ihrer vorsichtigen und klugen finanziellen Gebarung nicht schwer trafen. Da die ungarische Zuckerfabrik Groß-Tany die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllte und hauptsächlich wegen der schlechten Qualität der dortigen Rübe fortgesetzt mit Verlust arbeitete, wurde sie nach der fünften Kampagne 1873/74 stillgelegt. Die Inneneinrichtung wurde an andere Fabriken verkauft und auch die Gebäude und Grundstücke verwertet.
Während die Lundenburger Raffinerie in den ersten Jahren nur Brode (Hutzucker) erzeugte, wurde im Jahre 1874 von Direktor Robert Schorisch die Würfel-