Aufsatz 
Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft / von Jakob Baxa
Entstehung
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Jakob Baxa

wenigen Jahren die Majorität in der Dürnkruter Zuckerfabriks A. G. Seit dem Jahre 1922 wurde das Verhältnis mit Dürnkrut noch inniger, indem seither zwei Drittel des Dürnkruter Rohzuckers in der Leopoldsdorf er Fabrik verarbeitet wurden. Diese enge Interessengemeinschaft führte im Jahre 1926 zur vollständigen Fusion der Dürnkruter Zuckerfabriks A. G., so zwar, daß diese Firma im Handelsregister gelöscht und mit der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. vereinigt wurde, die jetzt die beiden Fabriken Leopoldsdorf und Dürnkrut betrieb. Zur Durch­führung der Fusion wurde in der Generalversammlung vom 25. November 1926 das Aktienkapital von S 4500000, auf S 6000000, erhöht.

Lediglich zur Erhöhung des Nennwertes der Aktien, der mit den tatsächlichen Verhältnissen ins Gleichgewicht gebracht wurde, sah sich die Gesellschaft veranlaßt, das Aktienkapital ohne neue Aktien auszugeben, mit Beschluß der Generalversamm­lung vom 4. Mai 1931 auf S 8000000, und mit Generalversammlungsbeschluß vom 20. August 1935 auf S 12000000, zu erhöhen.

Seit dem Jahre 1922 betrieben sämtliche österreichische Zuckerfabriken eine gemeinsame Propaganda für die Hebung des Rübenbaues, die zufolge ihrer klugen Rübenpreispolitik auch von vollem Erfolge gekrönt war. In der Kampagne 1932/33 deckte die österreichische Zuckererzeugung zum ersten Male völlig den einheimischen Bedarf, so daß seither alle Zuckereinfuhren aus der benachbarten Tschechoslowakei, die bisher das jeweilige Bedarfsdefizit gedeckt hatten, unterblieben. Die Zucker­industrie mußte sich jedoch dem österreichischen Finanzministerium gegenüber verpflichten, die Produktion auf die inländische Bedarfsdeckung zu beschränken, da bei der damaligen trostlosen Lage auf dem Weltzucker markt jeder Export mit Verlust verbunden war, staatliche Mittel zur Exportfinanzierung jedoch unter keinen Umständen bewilligt werden könnten.

Der ansteigende Rübenanbau, die großen Ernten und der durch die allgemeine Krise bedingte Rückgang des Zuckerkonsums hatten zur Folge, daß rund 500000 dz Zucker am 1. September 1935 den österreichischen Zuckerfabriken unverkauft zur Verfügung standen. Es war etwa die gleiche Menge, die in diesem Jahr von Leopoldsdorf erzeugt worden war. Dr. Richard Skene sprach namens der Zucker­industrie zuerst beim Finanzministerium vor, es möge den Export dieser unver­schuldeten Überproduktion durch Beihilfe eines entsprechenden Zuschusses ermög­lichen, aber das Finanzministerium hat diese Bitte glatt abgelehnt. Da blieb kein anderes Mittel übrig, als eine radikale Einschränkung der Rübenanbaufläche, die Dr. Skene mit derselben rasch entschlossenen Energie durchsetzte, wie im Jahre 1892 die Reduktion des Leipnik-Lundenburger Aktienkapitals. Im Einver­nehmen mit den Landwirten wurde die gesamte Anbaufläche von 49500 ha für die nächstfolgende Kampagne auf 43000 ha herabgesetzt. Das nützte aber nichts. Die Kampagne 1935/36 brachte wieder eine Rekordernte und die unverkäuflichen Zuckervorräte stiegen am 1. September 1936 auf 829000 dz an. Abermals mußte im Jahre 1936/37 die Anbaufläche auf 37 000 ha verringert werden, um die Produktion endlich dem gesunkenen Zuckerverbrauch anzupassen. Die Industrie verlor durch diese bedauerliche Maßnahme ein volles Viertel ihrer kostbaren Rübenanbaufläche. Das Finanzministerium partizipierte natürlich an diesem Verluste durch die ge­ringeren Steuererträge.