Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft
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Abgesehen von dieser schweren Krise herrschte jedoch in der österreichischen Zuckerwirtschaft seit dem Betriebsjahr 1931/32 eine vollkommene Stabilität. Der Rübenpreis betrug seither S 5 für 1 dz und der unversteuerte Zuckerpreis S 50 für 1 dz.
Der wirtschaftliche Aufschwung des Unternehmens spiegelt sich in seiner Raffinadeerzeugung:
Leopoldsdorf Weiße Ware dz
1923/24 . 137075
1924/25 . 214382
1926/27 . 270043
1927/28 . 328043
1931/32 . 378988
1933/34 . 410111
1934/35 . 505135
1936/37 . 297414
Durch die politischen Vorgänge am 13. März 1938 verlor Österreich seine Souveränität und die österreichische Zuckerindustrie wurde der Hauptvereinigung der deutschen Zuckerwirtschaft in Berlin unterstellt. Der Zustand war ganz ähnlich wie im alten Österreich-Ungarn. Jede Fabrik erhielt von der Haupt Vereinigung ein bestimmtes Erzeugungskontingent zugewiesen. Die Rübeneinzugsgebiete der Fabriken wurden von allen Enklaven und Überschneidungen bereinigt, so daß die beiden Fabriken Leopoldsdorf und Dürnkrut jetzt über ein geschlossenes Rübengebiet im nächsten Umkreise der Fabrik verfügten. Durch die Neuregelung der Absatzgebiete verlor die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. ihre alten Kunden in Tirol und Vorarlberg, die von bayrischen Zuckerfabriken beliefert wurden. In der Generalversammlung vom 31. Mai 1939 wurde das Aktienkapital, das nach der amtlichen Umrechnung 1 RM = 1,50 S mit RM 8 000000,— zu Buch stand, nach der später erlassenen Umstellungsverordnung auf RM 12000000,— umgestellt. Da die Fabriken jetzt nicht nur zur Zuckererzeugung, sondern auch zur Futtermittelerzeugung verpflichtet waren, wurde mit einem Kostenaufwand von RM 2 200 000,— in der Leopoldsdorfer Fabrik eine große Rübentrocknungsanlage errichtet. Der Zuckerpreis betrug unverändert RM 67,50 für 1 dz, der Rübenpreis zwischen RM 3,20 bis RM 3,60. Er wurde der Fabrik von der Hauptvereinigung vorgeschrieben. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges im September 1939 ging in den späteren Jahren die Rübenanbaufläche und Zuckererzeugung ständig zurück und die Materialpreise stiegen an. Die Fabriken Leopoldsdorf und Dürnkrut mußten zwar den auf getragenen Rübenpreis an die Landwirte zahlen. Da dieser jedoch bei der sinkenden Produktion einen wirtschaftlichen Schaden bedeutete, erhielten sie von der Hauptvereinigung einen staatlichen Zuschuß zum Rübenpreis zur Deckung des bilanzmäßigen Verlustes. In den späteren Kriegsjahren wurde zwar der Produktionsprozeß durch die zahlreichen Fliegeralarme zuweilen empfindlich gestört, aber die Beschädigungen durch Luftangriffe waren verhältnismäßig ganz gering. Da brach im April 1945 über das Unternehmen die Katastrophe herein.
Infolge Annäherung der Kriegsfront an die Ostgrenze Österreichs gerieten alle fünf hier gelegenen Zuckerfabriken in das unmittelbare Kampfgebiet, während