Aufsatz 
Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft / von Jakob Baxa
Entstehung
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Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft

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Maschinen Ersatz zu beschaffen. Erst langsam und. allmählich kam das ganze Wirtschaftsleben wieder in Gang. Die Gesellschaft entschloß sich, zuerst den Wiederaufbau von Dürnkrut in Angriff zu nehmen. Diese Fabrik war viel geringer beschädigt und daher unter den damaligen Verhältnissen auch leichter instand zu setzen. Da Dürnkrut die kleinere Anlage ist, bestand auch die große Gefahr, daß sie vielleicht behördlich stillgelegt worden wäre, wenn man zuerst das große Werk in Leopoldsdorf wiederauf gebaut hätte. War ja noch vor wenigen Jahren auch die Zuckerfabrik Hirm zugunsten jener von Siegendorf stillgelegt worden, von der sie nur 8 km entfernt war. Dürnkrut war bis 1945 eine Rohzuckerfabrik, deren Produkte in Leopoldsdorf raffiniert wurden. Da die Gesellschaft aber eine konsum­fähige Ware auf den Markt bringen mußte, wurde ein Teil der unversehrt gebliebenen Leopoldsdorfer Raffinadeanlage nach Dürnkrut übertragen und die Dürnkruter Rohzuckerfabrik behelfsmäßig in eine Raffinerie verwandelt. Auch wurden die zerstörten Dürnkruter Anlagen, die man ja mit Rücksicht auf die damaligen Umstände nicht durch Neuanschaffungen erneuern konnte, durch brauchbare Maschinen und Maschinenbestandteile des Leopoldsdorfer Werkes ersetzt. So glückte es, im Verlauf von eineinhalb Jahren die Dürnkruter Fabrik wieder der­artig betriebsfähig zu machen, daß sie gemeinsam mit den übrigen beschädigten Zuckerfabriken im Herbst 1946 die Rüben Verarbeitung und Kristallzuckererzeugung wieder auf nehmen konnte.

Da das Leopoldsdorfer Werk aus seinen unversehrten Beständen Maschinen an Dürnkrut abgegeben hatte, war nach Fertigstellung des Dürnkruter Wiederauf­baues der von Leopoldsdorf durch große Materialknappheit gekennzeichnet. Die Wiederinstandsetzung der beschädigten Leopoldsdorfer Inneneinrichtung erfolgte fast ausschließlich in eigener Regie unter Leitung des Konstruktionsbüros der Fabrik in den eigenen Werkstätten.

Der Wiederaufbau dauerte volle vier Jahre und erforderte einen Kostenaufwand von S 17000000,. Die Leopoldsdorfer Fabrik konnte die erste Kampagne seit der Zerstörung im April 1945 erst wieder im Jahre 1949 durchführen.

Dr. Richard von Skene war 1944 nach 54 Dienstjahren von der Leitung des Unternehmens zurückgetreten und führte seither den Ehrenvorsitz im Aufsichtsrat. Es war ihm noch vergönnt, die Wiederinbetriebnahme der Dürnkruter Zuckerfabrik zu erleben. Am 4. Juni 1947 ist er zu Wien gestorben und wurde seinem Wunsche nach in aller Stille bestattet. Was sein Wirken für die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. und die gesamte österreichische Zuckerindustrie bedeutete, das ist in diesen Blättern zu lesen. Wie sein Vater war er auch noch in anderen Unternehmungen der Papier- und Textilindustrie, in Finanz- und Versicherungs­instituten tätig. Er war, seit März 1917, der letzte Präsident desCentralVereines für Rübenzuckerindustrie Österreichs und Ungarns, nur seine reichen Erfahrungen, die er schon während seiner Tätigkeit in der alten Monarchie gesammelt hatte, befähigten ihn dazu, auch in der Republik Österreich das Schicksal der Zucker­industrie entscheidend mitzubestimmen, das sich ohne seine Mitwirkung vielleicht ganz anders gestaltet hätte. Er war ein gläubiger Protestant, der die Vorschriften seines Glaubens pflichtgetreu erfüllte. In der Religion suchte er den Trost für die schweren Schicksalsschläge, die ihm das Leben bereitete. Er hat ein Patriarchen-