Aufsatz 
Die Entwicklung der Zuckererzeugung mit besonderer Berücksichtigung Österreichs / von Rolf Niederhuemer
Entstehung
Seite
31
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Die Entwicklung der Zuckererzeugung mit besonderer Berücksichtigung Österreichs

Von

Dipl.-Ing. Roll Niederhuemer

Mit 7 Textabbildungen

Zum Süßen der Speisen und Getränke verwendete man in früheren Zeiten Honig und Manna (den eingetrockneten Saft der Mannaesche). Der Zucker, aus Zucker­rohr gewonnen, wurde in Europa erst zur Zeit der Kr^uzzüge bekannt, in seinem Ursprungsland in Ostindien kannte man ihn jedoch schon sehr lange, vielleicht sogar schon vor Christi Geburt. In Ägypten und am Hofe des Kalifen war der Rohr­zucker im frühen Mittelalter weit verbreitet, jedoch war er sehr teuer, so daß er. meist nur als Medikament und nur von den reichsten Leuten als Genußmittel ver­wendet werden konnte. Zur Zeit der Kreuzzüge verbreitete sich nun der Zucker­anbau und die Verarbeitung und Raffination des Zuckers weiter in den Mittelmeer­ländern und in Südeuropa. Erst um 1500 brachte man das Zuckerrohr nach St. Domingo, wo sich auf den umliegenden Inseln allmählich eine mächtige Rohrzucker­industrie entwickelte, die unter der Führung der Insel Cuba heute noch von großer Bedeutung ist.

Die Gewinnung des Zuckers aus dem Zuckerrohr erfolgte lange Zeit auf zie m lich primitive Weise, bis dann erst später der Konkurrenzkampf mit dem Rübenzucker auch hier technische Fortschritte brachte.

Der zuckerhältige Saft wurde zu allererst durch eine Art Quetschmühle aus dem Zuckerrohr ausgepreßt, indem ein vertikaler Läufer am Boden herumgeführt wurde. Bald jedoch verwendete man gußeiserne Walzen, die meist senkrecht auf gestellt waren und die über ein Räderwerk durch einen Göpel oder durch Wasserkraft in Betrieb gesetzt wurden (Bild 1). Zwischen ihnen es waren meist drei Walzen wurde nun das Zuckerrohr ausgepreßt und die übrigbleibendeBegasse wurde zum Heizen der Kessel verwendet.

Infolge der hohen Außentemperatur in den Anbaugebieten mußte man den Saft schnell weiterverarbeiten, denn schon nach 20 Minuten konnte er in Gärung übergehen. Er wurde also durch Rinnen direkt in die sogenanntenKlärpfannen große Kupferkessel geleitet, in denen der Saft sofort mit etwas Kalk erhitzt wurde. Der sich dabei bildende Schaum wurde abgeschöpft und der klare weingelbe