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Franz Kirs bauer
wuchs. Nach 1530 muß er darum Joachimsthal verlassen haben und nach Chemnitz gegangen sein, wo er seit 1533 als Arzt und Naturforscher bis zu seinem Tode am 21. November 1555 lebte und die Geschicke der Stadt lange Jahre als Bürgermeister leitete. In diesen Jahren entstanden zahlreiche Werke, die sich vor allem mit Fragen der Mineralogie und des Bergbaus, aber auch mit Maßen und Gewichten oder zoologischen Dingen beschäftigten. Um 1534 war er „Hof historiograph“ des Herzogs Georg von Sachsen und arbeitete u. a. an einem fürstlichen Stammbaum.
Die Krönung seines Lebenswerkes ist jedoch das über 600 Seiten starke Buch „De re metallica“ oder „Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen“ (Bild 2), dessen Erscheinen bei Froben in Basel im Jahr 1556 er nicht mehr erlebte. Dieses Hauptwerk Agricolas stellt in zwölf Büchern (Abteilungen) mit 273 sehr klaren Holzschnitten ein umfassendes Kompendium der gesamten Berg- und Hüttenkunde in klassischem Latein dar, das den Weltruhm seines Verfassers begründete und demselben schon zu seinen Lebzeiten, also noch vor Erscheinen, vollste Anerkennung brachte. Das zeigt auch ein Schreiben des Kurfürsten August vom 15. Jänner 1555, in dem dieser Agricola um eine deutsche Ausgabe bat, die seinem Verfasser selbst durchzuführen nicht mehr vergönnt war. Agricola kann für sich beanspruchen, hierin neben vielen anderen technischen und naturwissenschaftlichen Dingen jede Mißachtung des Bergmannsberufes energisch zurückzuweisen, da er einmal die Arbeit der Bergleute vor Ort persönlich, zum andern aber auch gleichzeitig ihren Wert für die Volkswirtschaft in allgemeiner Hinsicht kennengelernt hatte.
Persönlichkeit und geistige Universalität
Bei Georg Agricola verbindet sich eine reiche Kenntnis der klassischen Kultur mit eigenem Nachdenken und einem hohen Ethos. Er selbst äußerte sich einmal über seinen Forschungstrieb wie folgt:
„Wenn ich die Ergebnisse meiner Forschung schriftlich mitteile, bin ich wohl zuweilen genötigt, mit einigem Nachdruck die Schriften anderer zu bekämpfen und zu widerlegen; aber, wahrlich, nicht aus unredlicher Absicht, achtungswerte Männer herabzusetzen, Männer, welche der Erforschung der Natur so viel Zeit und Mühe geopfert haben, sondern, im Feuereifer, schwarze Nebel zu zerstreuen, welche unsere Kenntnisse von der unterirdischen Natur umhüllen und ein neues Licht darüber anzuzünden. Erreiche ich diesen Zweck nicht ganz, stifte ich durch meine Arbeit nicht den gehofften Nutzen, so ist es dem heiligen Dunkel zuzuschreiben, hinter welchem die Natur vorzüglich die Gegenstände im Inneren des Erdkörpers verbarg.“
Man sieht aus den wiedergegebenen Worten, wie stark die Mineralogie und Geologie Agricola zu grundsätzlicher Besinnung und Auseinandersetzung mit dieser „unterirdischen“ Welt herausforderte. H. Hartmann schreibt hierüber 2 : „Man kann von psychologischer Art dieser inneren Auseinandersetzung sprechen, manchmal grenzt sie ans Metaphysische. Vergessen wir nicht, daß, zumal für die damalige Zeit, aber grundsätzlich doch immer und nicht zuletzt bei dem wahrhaft universalen Meister, bei Goethe, das Reich der Tiefe, der unterirdischen Dinge, der ,Mütter', zu den großen Kündern des Ursprungs gehört. Im Verhüllen und im Offenbaren, im feindlichen Ablehnen und im verheißungsvollen Gewähren hat die Natur ihre Schätze nicht nur bewahrt, sondern auch immer wieder gespendet.