Aufsatz 
Georg Agricola : zur 400. Wiederkehr des Todestages des großen Naturforschers, Humanisten und Joachimsthaler Werksarztes / von Franz Kirnbauer
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Georg Agricola

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so bedeutete sie für damals doch eine Zusammenfassung und Ordnung der bis dahin ungeordneten und unbekannten Erscheinungen. Dadurch brachte er die Naturerkenntnis um einen erheblichen Schritt weiter; denn die Einheit der Stoffe wurde nun durch Agricola im Prinzip anerkannt und bewiesen, so daß die Erde bei aller Mannigfaltigkeit der Erscheinungen wieder zu einem einheitlichen Gegen­stand der Forschung wird.

Die unterirdischen festen Körper teilte Agricola wieder ein in zusammen­gesetzte und nicht zusammengesetzte. Hierbei leitete ihn ein ausgesprochen berg­männisches Motiv, weil das, was ihm in den Bergen entgegentritt, immer wieder die Metalle sind.

Bild 4. Darstellung verschiedener Gänge: steil oder geneigt einfallend oder gekrümmt

verlaufend.

Die einfachen mineralischen Substanzen teilte er wieder in vier Gruppen: Erde, erstarrte Flüssigkeiten, Steine und Metalle. Weiters unterschied er als zweite Hauptuntergruppe die gemischten festen Minerale, die er in folgende Unterteilungen gliederte: Mischung von Stein und erstarrten Säften, Mischung von Stein und Metall zu gleichen Teilen, Mischung von Stein und Metall mit mehr Metall bzw. mehr Stein, ferner schwefeliger Pyrit.

Ist auch diese Einteilung heute nicht mehr aktuell und mag man auch den Wert einer Systematik gering beurteilen, so ist es unzweifelhaft, daß ein systemati­scher, zusammenfassender und ordnender Geist wie Georg Agricola der Wissen­schaft dennoch einen sehr großen Dienst erwiesen hat. Denn durch die Ordnung der unübersehbaren Mannigfaltigkeit der Naturerscheinungen wurden erst die Probleme erkennbar, die zu weiteren Forschungen anregen.

Stammt also von Agricola erstmals die Einteilung der Mineralien nach wissen-