Aufsatz 
Georg Agricola : zur 400. Wiederkehr des Todestages des großen Naturforschers, Humanisten und Joachimsthaler Werksarztes / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen

Georg Agricola

57

eigenen Beobachtungen, wenn er auch die Arbeiten Früherer immer berücksichtigt und aus wertet. So studierte er eingehend die Erosionstätigkeit des Wassers bei der Veränderung der geologischen Struktur und befaßte sich viel mit Gedanken über das Unterirdische in den Erzbergbaugebieten. Hierbei verabsäumte er es niemals, das ganze Geschehen unter dem Gesichtspunkt einerGanzheitlichen Betrachtung zu untersuchen. Man darf sagen, daß er hierbei die Keime zu einer dynamischen Geologie und Meteorologie legte. Immer mehr war er hierbei auf

Wm

.wwwwwv

IG\\\\\\\\\\

Bild 6. Wettertrommel, eine Einrichtung zur Frischwetterversorgung der Grube.

den Bergbau und dessen Aufgaben eingestellt und es waren seine Betrachtungen ganz besonders dort erfolgreich, wo bergbauliche Vorgänge in Frage kamen. Doch konnten diesekleinen Beobachtungen, wie Georg Agricola selbst erkannte, das geologische Problem nicht erschöpfen. Bei seinem Streben nach voller Erkenntnis war es nur natürlich, daß er hierbei auf die Frage von Erdbeben und Vulkanismus stieß.

Wenn Agricola hierüber auch kein geschlossenes geologisches Bild geben konnte, so zeigen einzelne seiner Bemerkungen doch deutlich, daß er durchaus den großen Blick hatte und zusammenfassend zu denken vermochte. Er vertritt hierbei die Ansicht, daß es unterirdische Feuer gebe und ahnt damit die heutige Auffassung vom feuerflüssigen Erdkern voraus.

Jedenfalls hatte Agricola das entscheidende Verständnis für die geologischen Grundsätze. Er hat nicht an eine für immer feststehende Schöpfung der Erde