Aufsatz 
Georg Agricola : zur 400. Wiederkehr des Todestages des großen Naturforschers, Humanisten und Joachimsthaler Werksarztes / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Franz Kirnbauer

weg, werden beschrieben. Im Fünften Buch wird das Abteufen von Schächten, Auffahren von Stollen, Strecken, Gesenken und Überhauen ausführlich dargestellt (Bild 5). Weiters wird das hierbei gebrauchte Gezähe samt den technischen Ein­richtungen für die Wasserhaltung und Wetterführung (Frischluftversorgung in der Grube) eingehend beschrieben (Bild 6). Auch die Vermessungsarbeiten durch den Markscheider erwähnt Agricola genau (Bild 7).

Das Achte Buch ist der Aufbereitungstechnik gewidmet. Es wird dargestellt, wie: ,,Ertz klaubt wird, gepicht, geröst, gequetscht, gemahlen, gewaschen, im Röst­ofen geröst und gebranndt. Der Zweck des Röstens ist einmal der des Mürbe- und Brüchigmachens der Erze, zum anderen, um Schwefel- und Arsengehalte zu entfernen.

Liest man diese Abschnitte, so ist man erstaunt, wie weit die Bergbautechnik damals schon durch rein empirische, jahrhundertealte Erfahrungen vorangeschritten war. Sie hat durch weitere Jahrhunderte dann keine nennenswerten Verbesserungen gebracht. Erstaunenswert ist die Sorgfalt und das Eingehen, womit Agricola, von der geisteswissenschaftlichen Seite her kommend, sich in all die vielen, oft sehr mühsamen technischen Einzelheiten des Berg- und Hüttenwesens seiner Zeit eingearbeitet und durch Bilder und Erläuterungen zur Darstellung gebracht hat.

Chemie und Hüttenwesen

Trotz seiner Ablehnung der Chemie und Alchemie hat Georg Agricola der Chemie der Minerale und damit der Forschung einen Dienst erwiesen, wenn er fest­stellte, daß die Elemente in Wahrheit gleichbleibende, nicht verwandelbare Substan­zen sind. Ihn bewegten nur die praktischen Fragen nach dem Metallgehalt eines Erzes und der vorteilhaftesten Weise der Gewinnung auf mechanischem oder chemischem, also aufbereitungsmäßigem oder hüttenmännischem Wege. Hier voll­brachte er eine große Leistung, indem er das Wissen seiner Zeit in musterhafter Weise, gleichwie in allen übrigen Sparten des Bergbau- und Hüttenwesens, zur Darstellung brachte. Selbst Gedankengänge entwickelte Agricola in diesem Abschnitt, welche als Anfangsgründe der Lötrohr-Probierkunde und der heutigen Spektralanalyse angesehen /werden können. Er beschreibt verschiedene Arten von Probieröfen, Tiegeln, Scherben und sonstigen Geräten und erwähnt auch die Strich­probe, um den Feingehalt von Goldlegierungen aus Münzen herauszubekommen.

Das Neunte Buch der ,,De re metallica befaßt sich mit dem Ausscheiden der Metalle aus den Erzen durch Schmelzen. Es werden ausführlich die Schmelzöfen beschrieben, ein Vorgang, der damals und auch später für alle Fachleute ein wert­voller Dienst war. Denn man konnte sich auf seine Beschreibungen verlassen, ohne unnütze Investitionen befürchten oder selbst Gefahr laufen zu müssen, etwa durch die Möglichkeit von Explosionen in Schacht- oder Haubenöfen. DieStuck­öfen zur Eisengewinnung, wie sie in Kärnten und Steiermark damals bereits in Gebrauch waren und worüber noch zu sprechen sein wird, sowie Schmelzöfen für die übrigen Metallerze, aber auch Anleitungen bezüglich der Eisengewinnung und Stahlerzeugung sowie des sogenanntenVerzinnens von Eisen bringt Agricola überaus ausführlich und mit besonderer Klarheit und Sachlichkeit, wie man selbst