Aufsatz 
Georg Agricola : zur 400. Wiederkehr des Todestages des großen Naturforschers, Humanisten und Joachimsthaler Werksarztes / von Franz Kirnbauer
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Franz Kirnbauer

Häuer, Haspler, Förderer und Erzkücher. Volles Verständnis für echte Menschlich­keit und für die Gesundheit des Leibes des Nächsten und Mitmenschen leuchten aus allen diesen Ausführungen. Agricola, selbst Zeit seines Lebens dem katholischen Glauben treu geblieben, war trotzdem ein Mann von großer Duldsamkeit und Großzügigkeit anderen gegenüber. Er besaß einen stark entwickelten Sinn für das überraschend schnelle Aufblühen der Wirtschaft in der ersten Hälfte des 16. Jahr­hunderts und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten. Mitten in den Problemen seiner Zeit steht er, seien es wirtschaftliche oder sozialpsychologische. Als Arzt und Humanist ist er ein Mensch, der aus sozialem Bewußtsein heraus vorbeugend wirken will, der das Bergbauhandwerk ehrt und ihm seinen goldenen Boden erhalten will.

Goethe über Agricola

Goethe, der dem Bergbau, der Mineralogie und den Berg- und Naturwissen­schaften wie der Chemie sehr aufgeschlossen gegenüberstand, würdigte Agricola in seiner Farbenlehre 2 mi t folgenden ehrenden Ausführungen: ,,... so wollen wir unseres Landsmanns Georg Agricola gedenken, der schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in Absicht auf das Bergwesen, dasjenige geleistet hat, was wir für unser Fach hätten wünschen mögen. Er hatte freylich das Glück, in ein abgeschlossenes, schon seit geraumer Zeit behandeltes, in sich höchst mannigfaltiges und doch immer auf einen Zweck hingeleitetes Natur- und Kunstwesen einzutreten. Gebirge, aufgeschlossen durch Bergbau, bedeutende Naturprodukte roh aufgesucht, gewältigt, behandelt, bearbeitet, gesondert, gereinigt und menschlichen Zwecken unterworfen, dieses war es, was ihn als einen Dritten, denn er lebte im Gebirge als Bergarzt, höchlich interessierte, indem er selbst eine tüchtige und wohl um sich schauende Natur war, dabey Kenner des Altertums, gebildet durch die alten Sprachen, sich bequem und anmutig darin ausdrückend. So bewundern wir ihn noch jetzt in seinen Werken, welche den ganzen Kreis des alten und neuen Bergbaus, alter und neuer Erz- und Steinkunde umfassen und als ein köstliches Geschenk vorhegen. Er war 1494 geboren und starb 1555, lebte also in der höchsten und schönsten Zeit neu hervorbrechenden, aber auch sogleich ihren höchsten Gipfel erreichenden Kunst und Literatur.

Nicht nur Goethe, sondern auch Leibnitz, Alexander von Humboldt, Graf Reden, Hardenberg und viele andere hervorragende Geistesgrößen nahmen ihrenAgricola gern zur Hand, um sich Rat und Anregung aus ihm zu holen, wurde er doch als eine erstaunliche Leistung des Wissens betrachtet und von den Gelehrten aller Länder gerühmt.

Agricola und der Bergbau in Österreich

Agricola erwähnt den Bergbau in Österreich mehrfach in seinen Werken 3 . So beschreibt er einmal imBermannus den Bergbau in Schwaz, dann im Buch De re metallica an zahlreichen Stellen verschiedene Bergbauorte, hier geübte Aufbereitungs- und Schmelzverfahren, Markscheidergeräte und -instrumente u. a. m. Auf die österreichischen Alpenländer weist eindeutig die Abbildung über das Be­fördern von Erzen mittels Sackzuges sowie auf Schlitten hin (Bild 8). Er schreibt