Heinrich Benedikt: Werfner Eisen
69
seit der Steinkupferzeit ausgebeutet wurde 3 . Der Eisenbau beginnt mit den Kelten. Es ist höchstwahrscheinlich, daß auch am Moos- und Windingberg bei Werfen norisches Eisen gewonnen wurde 4 . Bereits zur Römerzeit waren die Eisengruben, welche die norischen Messer lieferten, mit denen der Parvenu Trimalchio, die köstliche Romanfigur des arbiter elegantiarum Petronius, protzt, verstaatlicht. Sie wurden teils in eigener Regie, teils durch Pächter betrieben. Aus der keltisch- römischen Zeit stammt das Wort für den im Schmelzgang gewonnenen Fladen (f latum, flare = blähen) und die auf die römische massa ferri zurückgehende Mass (Massl). An der Römerstraße, welche Aquileia, den Stapel für norisches Eisen, über die Tauern mit Germanien verband, lag die Poststation Vocarium (Werfen), die auf der Tabula Peutingeriana verzeichnet ist 5 .
Die Römerstraße verfiel, aber ihrem Zuge folgte weiter der Handelsweg, der nach seinem wichtigsten Gut die Eisenstraße genannt wurde. Der Wert der vielen Besitzungen des Erzstifts Salzburg in Steiermark und Kärnten lag vor allem in den Bergwerken. Das Bergregal des Erzbischofs ist seit dem 10. Jahrhundert — für das obere Lavanttal schon 931 — nachweisbar 6 . Das Bergregal ist das Hoheitsrecht des Landesfürsten, die mineralischen Lagerstätten als ihr Eigentümer aufzusuchen und zu Tage zu fördern. Das Recht zum Aufsuchen von Erzen wurde nach gehörigem Ansuchen, der Mutung, vom Landesfürsten für eine bestimmte Fläche verliehen. Das verliehene Recht hieß Berglehen. Der Lehensträger nannte sich Gewerke, eine Gemeinschaft von Belehnten Gewerkschaft. Die Gewerken waren zur Ablieferung des gewonnenen Bergsegens an den Landesfürsten verpflichtet. Der Berg war in der Hand von Bauern, die Haus und Hof, Feld, Wald und Weide und das Schürf recht als bäuerliches Zinsgut besaßen. Das waren die ,,Eisenbauern“. Die Einrichtung der Lehnschaften, die Vergebung von Grubenfeldern und die Überwachung der Erschließung oblagen dem landesfürstlichen Bergmeister.
Der Tiroler Silber- und Kupferbau war auf das Villacher Blei angewiesen. Das Schwarzkupfer aus Rattenberg und Schwaz wurde abgeseigt, das heißt mit Blei
3 G. Kyrle, Urgeschichte des Kronlandes Salzburg. Wien 1918. -— L. Franz, Vorgeschichtliches Leben in den Alpen. Wien 1929. — Zschokke und Preuschen, Das urzeitliche Bergbaugebiet von Mühlbach-Bischofshofen. Materialien zur Urgeschichte Österreichs. Wien 1932.
4 E. Fugger, Das Dientener Tal und seine alten Bergbaue. Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde Bd. 49 (1909).
5 Die Tabula Peutingeriana wurde von Konrad Celtis entdeckt und dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger geschenkt. Sie ist die zu Ende des 13. Jahrhunderts von einem Mönch in Kolmar verfertigte Kopie nach einem aus dem 4. Jahrhundert stammenden, schwer beschädigten, nicht mehr vorhandenen Original. Eugen von Savoyen kaufte die Tabula Peutingeriana von einem Antiquar und Kare VI. erwarb sie aus dem Nachlaß des Prinzen. Peutinger, der Stadtschreiber von Augsburg, ist mit dem Bergwesen durch sein Gutachten von 1499 verbunden, welches er in dem Streit zwischen Jakob Fugger und seinem ungarischen Kompagnon Thurzo abgab. (E. Hering, Die Fugger, Leipzig 1939.) S. 78.
6 L. Beck, Die Geschichte des Eisens. 5 Bde. Braunschweig 1891—1903. I, 757f. — H. Pirciiegger, Das Steirische Eisenwesen bis 1564. Mit einem Überblick über das Kärntner Eisenwesen, Graz 1937. S. 34—42. — K. Dinklage, Alte Eisenindustrie im Lavanttal. BfTG 16 (1954).