Aufsatz 
Die Entwicklung der Oxygenstahlverfahren / von O. Cuscoleca und H. Trenkler
Entstehung
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Die Entwicklung der Oxy genstahl verfahren

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den, im Siegerland und auch in Österreich, durchsetzen können. Um die Jahr­hundertwende aber mußte dieses Verfahren dem SM-Ofen-Verfahren mit seinem hohen Ausbringen und der Möglichkeit, bis dahin wertlosen Schrott verarbeiten zu können, Platz machen. Daneben entwickelte sich das basische Bessemer-Verfahren, genannt Thomas-Verfahren, zu immer größerer Bedeutung. Die großen, phosphor­reichen Erzlagerstätten, namentlich in Lothringen und Schweden, w aren die Grund­lage für dieses Verfahren; vielmehr erst durch dieses konnten sie wirtschaftlich zum Abbau gebracht werden. Gegen Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das Thomas-Verfahren für Deutschland auf dem Lizenzwege von dem Er­finder Thomas selbst erworben. Das Verfahren brachte der europäischen Stahl­erzeugung einen nie geahnten Aufschwung. Die Rohstahlerzeugung Westeuropas weist 1% Bessemer- Stahl-, 35 bis 40% Thomas-Stahl- und 60% Siemens-Martin- Stahlanteil aus. In Österreich konnte das Thomas-Verfahren infolge Fehlens phos- phorhältiger Erze keine Bedeutung erlangen. Beide Verfahren also, sowohl das Bessemer- wie auch das Thomas-Verfahren, konnten daher für eine Rohstahl­erzeugungsausweitung in Österreich nicht in Erwägung gezogen werden.

Auch qualitative Überlegungen sprachen gegen diese Prozesse, da der nach ihnen erzeugte Stahl dem SM-Stahl unterlegen und in seiner Anwendbarkeit daher be­schränkt ist. Österreich verfügt aber in bedeutendem Umfange über ausgezeichnet reine Erze, die es den Hüttenwerken ermöglichen, ein Stahlroheisen im Kokshoch­ofen zu erzeugen, das auf Grund seiner geringen Gehalte an P und S, seines hohen Mn-Gehaltes und seiner Reinheit an sonstigen unerwünschten Begleitelementen für eine Qualitätsstahlerzeugung hervorragend geeignet ist. Die gerösteten bzw. ge­sinterten Erze vom Erzberg haben folgende Durchschnittsanalyse:

44,8 bzw. 42,8 %

Fe

2,6 3,0 %

Mn

0,14 0,80%

S

0,0 %

As

0,042%

P

0,042%

Ti

0,018%

Cr

0,00 %

Cu

Das aus diesen reinen Erzen erblasene Roheisen versetzt die Stahlwerke in die Lage, weitgehendst Qualitätsstahl herzustellen und dieser hat damit die Grundlage für eine bedeutende Stahlindustrie und einen hervorragenden Exportanteil geschaffen. Die Linie der Qualitätsstahlerzeugung in den österreichischen Stahlwerken wurde nie verlassen und wird auch in der Zukunft nie verlassen werden dürfen. Eine neue Stahlqualität auf Grund eines neuen Stahlherstellungsverfahrens mußte daher die hohe Qualität österreichischen SM-Stahles nach weisen, um seine Berechtigung zu finden.

In den letzten 20 Jahren ist der Sauerstoff zu den für die Stahlindustrie be­stimmenden Faktoren, wie Erz, Kohle, Koks, Öl, Schrott und Energie, hinzu­getreten.