Aufsatz 
Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem / von Heinrich Quiring
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Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem

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Die Goldgewinnung Reichensteins wurde erst wieder lohnend, nachdem Wil­helm Güttler das abgeänderte Chlorationsverfahren Plattners zur Goldextraktion an wandte und damit in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts neben dem Arsen- auch den Goldgehalt der Erze nutzbar machte.

Im Auslande hat sich die Erfindung Scharfenbergs erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Bahn gebrochen. Man wandte das Kammersystem bei der Ver­hüttung arsenhaltiger Zinn- und Kupfererze zuerst in den englischen Bergwerks­bezirken von Cornwall und Devon an. Da Arsen zur Herstellung von Arsenfarben sehr gesucht war, verhütteten die Engländer auch alte arsenhaltige Bergwerks­halden und brachten es 1885 auf eine Arsenikaliengewinnung von über 10000 t, während Reichensteins größte Erzeugung 1800 rund 3500 t betragen hatte. 1879 ge­sellte sich zu den Hauptarsenerzeugern Großbritannien und Deutschland .Spanien, 1881 Japan, 1882 Canada, 1895 Italien, 1897 Portugal und Frankreich, 1901 die Vereinigten Staaten, 1910 Mexico, 1917 Griechenland und Südafrika, 1918 Austra­lien, 1932 Schweden. Die Entwicklung in allen diesen Ländern wurde nicht nur durch die steigende Nachfrage nach Arsenikalien, sondern auch durch die Gesetz­gebung bestimmt, die zwar die Verwendungsmöglichkeit von Arsenikalien wegen ihrer Giftigkeit, z. B. zur Farbenherstellung, einschränkte, anderseits das Ablassen von Arsendämpfen in die Luft, besonders im Hüttenprozeß, untersagte.

Nachdem Deutschland von 1902 bis zum Ende des 1. Weltkrieges (1918) noch­mals an die erste Stelle der Arsenik erzeugenden Länder der Erde getreten war im Weltkriege wurde Arsen auch bei der Herstellung von Kampfstoffen (Giftgas) verwendet, ist es seit 1919 von den Vereinigten Staaten, die 1939 200001 Arsenikalien erzeugten, seit 1925 auch durch Mexico, seit 1931 von Frankreich überflügelt worden, nahm aber bis 1945 immer noch den 4. Platz ein. In Amerika werden Arsenikalien besonders zur Bekämpfung von pflanzlichen und tierischen Schädlingen (Unkraut, Baumwollkäfer, Milben, Läusen usw.) verwendet, so daß sich eine große hüttenmännische Produktion rechtfertigt. Die Erfindung Johann von Scharfenbergs hat daher nicht nur lokale und nationale, sondern seit 1858 europäische, seit 1882 weltweite Bedeutung erlangt.

Man kann daher mit Fug und Recht von einer späten, aber vollen Rechtfertigung der Idee Scharfenbergs sprechen, die Darstellung von Arsenikalien aus dem Laboratorium in den Hüttenprozeß zu verlegen, auch wenn von ihm die neuzeitliche Verwendung von Arsenprodukten nicht vorausgeahnt werden konnte. Auch auf dem zu seiner Zeit allein Arsenikalien aufnehmenden medizinischen Gebiet haben sich viele neue Verwendungsmöglichkeiten gefunden, man denke nur an die steigende Verwendung von Arsenpräparaten bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. So sind durch solche Präparate (Arrhenal, Atoxyl, Spirocid, Salvarsan, Neosal- varsan) unter anderem Schlafkrankheit und Syphilis heilbar geworden. Man kann auch bei der Beurteilung des giftigen Hüttenrauches sagen: ,,Es ist kein Wind so schlecht, daß er nicht irgendwie Gutes brächte. Einst ungebändigt eine Geißel, wurde er gebändigt zum Wohltäter, und gebändigt hat ihn Johann von Scharfenberg.

Doch in keinem deutschen und ausländischen Buche, keinem Nachschlagwerk und Konversationslexikon ist dieses großen deutschen Mineralogen und Hütten-