Aus der Frühzeit der Donau-Dampfschiffahrts-
Gesellschaft
Von
Dipl.-Ing. Dr. techn. Ernst Neweklowsky
Mit 3 Abbildungen
Am 17. August 1807 hatte Fulton seine berühmte erste Fahrt mit einem Dampfschiff auf dem Hudson unternommen, und zwei Jahre später befuhr in Schottland das erste Dampfschiff einen europäischen Strom. Am 27. Juni 1813 erschien im Amtsblatt Nr. 89 der „Wiener Zeitung“ ein Hofkammerdekret, das demjenigen ein ausschließliches Privileg zusicherte, der ein Schiff ohne Anwendung von Zugvieh stromaufwärts schaffen könnte. Metternich interessierte sich persönlich für die Dampfschiffahrt. Dem Angebot von 1813 blieb jedoch der Erfolg versagt, was ein neues Dekret vom 11. November 1817 feststellen mußte. Im Jahre 1818 machten Anton Bernhard und der Ritter von St. Leon Werbefahrten mit einem Dampfschiff auf der Donau. „Die Wiener Zeitung“ berichtete hierüber. Es wurde ihnen im folgenden Jahre ein Privilegium verliehen, sie hatten aber keinen Erfolg, und das Privilegium mußte nach mancherlei mißglückten Versuchen wieder eingezogen werden. Am 11. April 1828 erwarben die beiden Engländer John Andrew und Josef Prichard ein Privileg auf eine verbesserte Bauart von Dampfschiffen, und nun kam es am 13. März 1829 zur Gründung der Ersten k. k. priv. Donau-Dampf schiff ahrts-Gesellschaft, deren Statuten am 17. September 1830 die Genehmigung erhielten. Am gleichen Tage trat der erste Dampfer dieser Gesellschaft, „Franz I.“, seine Probefahrt von Wien nach Pest an 1 .
Die Gesellschaft wandte ihr ganzes Augenmerk dem Osten zu. Auf der oberen Donau bestand ja eine gut eingelebte, ungemein rege Ruderschiffahrt, weshalb für diese Strecke augenblicklich kein derartiges Bedürfnis nach einer Verkehrsbelebung bestand, als dies für die Donau unterhalb Wiens der Fall war. Man wollte mit dem Dampfschiff vom Verkehr weitab gelegene Gebiete erschließen, nicht nur in den östlichen Teilen des österreichischen Kaiserstaates, sondern auch im nahen Orient und wollte den Anschluß an das Meer gewinnen. Von den Schwierigkeiten, die sich dieser Aufgabe entgegenstellten, kann man sich heute kaum mehr eine
1 Ernst Neweklowsky, Die Schiffahrt und Flößerei im Raume der oberen Donau (1952), l.Bd., S. 57.
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