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Enthüllung des Denkmales für die Erbauer der Mariazellerbahn
von 350 PS auf wiesen und die bei einer Steigung von 23°/ 00 130 Tonnen mit 25 km Geschwindigkeit befördern konnten. 1906 trat Fogowitz in den Ruhestand. Sein Nachfolger war Oberbaurat Ing. Eduard Engelmann, der nachmalige Landeseisenbahn-Baudirektor und Hofrat. Er ist der zweite Techniker, dessen wir heute gedenken wollen.
Die Bahn, die Fogowitz erbaute, hatte bereits im ersten Betriebsjahr einen ungeahnten Erfolg im Güter- und Personenverkehr. Sind doch im ersten Betriebsjahr 400000 Fahrkarten allein nach Mariazell ausgegeben worden, 200000 nach anderen Orten. Die guten Ergebnisse der neuen Bahnlinie ließen in Oberbaurat Engelmann die Idee auf kommen, an eine Elektrifizierung der Bahn zu schreiten. Wieder entnehme ich einem Bericht die Worte: ,,Da in dem von der Bahn durchzogenen Gebiete reichliche, eine günstige Ausnützung gestattende Wasserkräfte vorhanden sind, hat die Landesvertretung mit Rücksicht auf die in diesem Falle gegebene Wirtschaftlichkeit des elektrischen Betriebes beschlossen, zunächst die Hauptlinie St. Pölten—Gußwerk für den elektrischen Betrieb umzugestalten“. Diese große Aufgabe hat Oberbaurat Engelmann vollbracht. Sein Vorgeher, der Erbauer der Bahnstrecke, hat in seiner Rede im Österreichischen Ingenieur- und Architekten- Verein im Jahre 1906 neidlos anerkannt: — um seine Worte zu gebrauchen — ,,es ist das Verdienst meines Nachfolgers des Herrn Oberbaurates Ing. Engelmann“.
Viele Vorbilder im Lande hatte Engelmann nicht. Seit 1904 war als einzige elektrische Bahn in Österreich die Stubaitalbahn in Betrieb. Sie war mit 3000 Volt Wechselspannung erbaut worden, die Bahnmotoren waren Einphasen-Motoren. Engelmann entschied sich für die Mariazellerbahn für eine mehr als doppelt so hohe Spannung. Die Motoren, die er in Wien bei den Siemens-Schuckert-Werken bauen ließ, waren solidester Konstruktion, stehen sie doch nach mehr als vierzigjähriger ununterbrochener Dienstleistung noch immer in Verwendung. Die E-Lok des Jahres 1911 war die stärkste Schmalspurlokomotive zur Zeit des Baues. Der elektrische Betrieb hat sich ganz ausgezeichnet bewährt.
So haben diese beiden Techniker, jeder in seiner Art, Pionierleistungen echt österreichischer Art vollbracht.
Wer mit der Semmeringbahn den höchsten Punkt der Strecke erreicht hat, wird das Denkmal für den Erbauer dieser Bahnstrecke nicht leicht übersehen. Ich glaube, es ist nicht zu viel gesagt, wenn es immer wieder behauptet wird, und mit Recht, die Mariazellerbahn ist eine zweite Semmeringbahn, die ein Gebiet von wunderbarer landschaftlicher Schönheit erschlossen hat. Ist doch diese Gegend, in die diese Bahn führt, für den Touristen der Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen, für Erholung in frischer, gesunder Luft im Sommer, im Winter ein Wintersportparadies.
Für den gläubigen Katholiken die Stätte der geistigen Erholung und Erneuerung, die Stätte, an der im besonderen Maße die Magna Mater Austriae ihr Attribut wahr werden läßt, Mittlerin aller Gnaden für alle diejenigen zu sein, die in demütiger Erkenntnis ihrer menschlichen Schwächen zu Maria, der Zuflucht der Sünder, pilgern.
*So haben die beiden Erbauer dieser Bahn auch dazu ihren Beitrag geleistet.